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9. Sept. 2007

Underdogs and Upperdogs

der Holzfäller (Grafik Berena Press)

Nachtrag zum Artikel Umiltà

von A.F. Grazi

Frau Grazi hat Wohnsitz in der Schweiz und berichtet für das Feuilleton von der europäischen Kulturszene aber auch über politische Themen.


Diese Tage schaue ich die beliebte Politsendung Arena im Schweizer Fernsehen. In der Arena lässt der Sender politische Kontrahenten aufeinander los um es etwas salopp zu sagen. Man sieht da immer wieder dieselben Leute. Ich habe mit einem Kollegen von SF1 gesprochen, der mir prompt zur Antwort gab, wir wissen ziemlich genau mit welchen Köpfen, natürlich sachbezogen wenn immer möglich, wir die höchsten Einschaltquoten generieren können.

Genau so kommt es einem vor, wenn man als “Fremder“ diesem Treiben der Oberdemokraten Europas und der ganzen Welt im Stubensessel beisitzt.

Die Schweiz wird momentan, und dies vor den ordentlichen Wahlen des Parlaments durch das Volk und der Regierung durch das Parlament, von hitzigen Komplottvorwürfen nach allen Seiten aufgerüttelt. Im Zentrum der Debatten einerseits und von Abklärungen durch eine Untersuchungskomission andererseits, steht der streitige aber auch umstrittene Bundesrat und Justizminister Christoph Blocher. Zur Seite stehen ihm im Politkabarett, neben vielen anderen, Christoph Mörgeli, ein Historiker und Professor und Ueli Maurer ein Bauer und Präsident der Schweizerischen Volkspartei SVP. Das Profil dieser Partei ist beinahe deckungsgleich mit dem der Sehnaher Volkspartei ebenfalls SVP. Diese Partei hat sich wie keine andere Partei in der Schweiz eine moderne PR-Strategie zu eigen gemacht. Die Einwanderungspolitik, das berühmte Asylrecht der sauberen und humanen Schweiz, und die beinahe genuine Xenophobie und etwas verschrobene Mentalität dieser oft etwas rückständigen Bergbevölkerung, welche hinunter reicht bis ins Flachland der Städte und deren Diskotheken, sind Themen, die die etablierten Volksparteien von links bis rechts früher der Nationalen Aktion, den Schweizerdemokraten SD und den Neonazis überlassen haben. Dass gerade die Land- und Bergbevölkerung überängstlich reagiert, welche oft nur durch die Medien vernimmt, dass immer mehr Probleme mit schlecht integrierten Ausländern aufkommen, ist nach dem Motto, was der Bauer nicht kennt das frisst er nicht, hinlänglich bekannt. Es war in den guten alten Zeiten nicht anders, dass die “Vulgärkriminalität“ immer schon in den sozial niedrigen Schichten prominent vertreten war und die mittellosen Einwanderer sind nun mal per se Underdogs.

Die landläufige Interpretation der Herkunft des Begriffs Dog hat sich in Unkenntnis der Verhältnisse der nordamerikanischen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts auch im englischen Sprachraum zu "Hund" verändert. Da es sich beim Underdog aber um eine gesellschaftlich niedergestellte Person handelt, muss angenommen werden, dass der Begriff aus der Holzfällerei stammt. Dog ist eine Aufhängevorrichtung für Baumstämme, wie man sie früher zum Zersägen angewandt hat. Ein Säger steht oben und die Säge wird vertikal geführt. Der untere Säger, der Underdog, liegt auf dem Rücken und hält von unten die Säge gegen. Dabei fallen ihm sämtliche Sägeabfälle ins Gesicht. Dies war eine Arbeit, die man als letzter in der Hierarchie eines Holzfäller- oder Sägebetriebs ausführen musste.

Das Thema versprach zunehmend politisch zum Quotenrenner zu werden und die SVP zog sich, angeführt von oben genannten Politikern, diesen faulen Fisch genüsslich an Land, da sie herausgefunden hatte, dass die rechtsaussen Parteien regen Zulauf verzeichnen konnten und ihre Stammwählerschaft im Grunde gleich dachte.

Wissend, dass wenn man sich als liberale Journalistin die Finger nicht schmutzig machen will, dieses Thema besser beiseite lässt und ja nicht noch die Namen der Protagonisten im Repertoire führt um deren Popularität noch unnötig zu steigern, kommt man nicht umhin wenigstens den Versuch zu wagen, jene zu erreichen, die noch wankelmütig sind. Ihnen aufzuzeigen, wie die modernen Kommunikationstechniken der Werbebranche ausgenützt werden, um Produkte wie z.B. “die Angst“ besser an Mann und Frau zu bringen. Aber auch, wie man durch gezielte Rhetorik Themen unter den Teppich palavern kann. Hierin ist Mörgeli der Begabteste. So sagt er etwa: „Meine Damen und Herren, sie müssen nicht glauben, dass das Volk blöd ist, es weiss schon, was.....“ und dann erzählt Mörgeli seinem intelligenten Volk wie es über eine Sache zu denken hat und jeder fragt sich warum er das tut, wenn das Volk es doch schon weiss.

Selten habe ich eine bessere Selbstbeschreibung gehört, wie die Mörgelis, als er den Bundesanwaltanwalt Rohrschacher, dessen Demission (er wurde von selber gegangen (?)) Gegenstand der Untersuchungskommission ist, als einen aufgeblasenen, selbstherrlichen, mit Profilneurose beladenen usw. usw. Typen beschrieb. Schade, dass der Herr Rohrschacher nicht mit von der Partie war. Müssen sich die Schweizer den Rohrschacher charakterlich wie diesen Mörgeli vorstellen? Wenn ja, dann war es in der Tat höchste Eisenbahn, dass er von der Bildfläche verschwand.

Dass der Ex-Bundesanwalt mit unglücklicher Hand den Drogendealer Ramos als VP Vertrauensperson eingesetzt hat, einen Verbrecher, der so Mörgeli in den USA zu zweimal lebenslänglich verurteilt worden war, ist eine Seite der Medaille. Die andere ist die, wie Mörgeli diesen Tatbestand verbal inszenierte: „Es ist unglaublich, da trifft sich dieser Rohrschacher mit einem zweimal lebenslänglich verurteilten Verbrecher in einer Waldhütte und so jemand ein Drogendealer (!) ist eine Vertrauensperson für eine Schweizer Behörde! Unglaublich so etwas! Unglaublich! Ein Verbrecher!!!“

Da empfehlen wir dem Herrn Mörgeli doch das Buch von Spiegelautor Andreas Ulrich “das Engelsgesicht“, Geschichte über einen Mafiakiller. Schnell und brutal tötete er seine Opfer. Mindestens 30 Menschen soll Giorgio Basile im Auftrag der Mafia ermordet haben. Dann wurde er geschnappt, packte als Kronzeuge gegen die früheren Komplizen aus - und muss seither im Zeugenschutzprogramm um sein eigenes Leben und das seiner Frau und Tochter fürchten. Die Vorstellung, dass ein solches Monster dein Nachbar mit falschem Bart sein könnte, ist nicht gerade erfreulich, jedoch leider Realität im Krieg gegen das organisierte Verbrechen.

Die Mafia kommt nun mal nicht ohne die Geldinstitute dieser ach so braven Welt aus. Will man ihr das Handwerk legen, so muss man deren Wertschöpfungsketten durchbrechen. Will man ihr das Handwerk legen, ist man auf Spitzel jeglicher Couleur angewiesen. Diesen Sängerknaben droht die Todesstrafe, wenn sie erwischt werden vom Kartell. Omertà, die Pflicht zu schweigen. Die 100 Milliarden Euro Umsatz alleine von der italienischen Mafia haben eine logische Eigendynamik. Dieses Geld gräbt sich wie das Wasser eines wilden Bergbaches den Weg in die Niederungen der Legalität. Kein noch so grosser Fels ist ihm gewappnet. Da es nun mal da ist, finden sich immer wieder Helfer und Helfershelfer mit weissen Westen. Eh man sich umsieht, landet man als Banker im Dunstkreis dieser Machenschaften und nicht jeder hat ein "Mammi" (Hausmütterchen), das ihm per Telefon den Tip durchgibt, das sinkende Schiff frühzeitig zu verlassen.

Wir alle wissen, dass “Kommissar Mörgeli“ es natürlich besser gemacht hätte. Er hätte die Mafia mit CSI Miami- und Knochensammler-Methoden (Bones) längst zur Strecke gebracht, wenn man ihn denn gelassen oder gar gefragt hätte. Er Mörgeli, der alles besser weiss und sein Volk, das es noch besser weiss und er, der selber ein begnadeter Knochensammler ist, er würde unsere Welt im nu von solchen Mafiosi befreien. Und dann seine Vorwürfe an die Adresse der USA die nur eines wolle, unseren Finanzplatz vernichten, deshalb hätten sie dem Rohrschacher diesen Verbrecher Ramos ausgeliefert. Nun auch das musste einmal gesagt sein. Ob dies das Volk auch schon wusste? Diese Schweizer Volkspartei ist voller Wundertüten. Während des letzten Wahlkampfes in den USA, tingelten SVP Politiker Thomas Fuchs mit einem Parteikollegen auf den Veranstaltungen der Republikaner herum und fanden alles supertoll und jetzt soll diese Regierung, dieses Land plötzlich unseren Finanzplatz zerstören wollen? Nicht einmal Hitler wollte den zerstören, im Gegenteil. Aber möglicherweise ist die DEA von Kommunisten unterwandert und operiert ohne das Wissen von George Bush und Jack Bauer.

Das Bankgeheimnis ist sowohl Segen als auch Fluch dieser Bankergilde. Wer nun einmal seine Seele an den schnöden Mammon verkauft hat, der soll die Konsequenzen tragen wie ein Mann und nicht jammern wie ein Klageweib, wenn es ihn von hinten erwischt. Der Berg ist schliesslich auch nicht schuld am Absturz des Bergsteigers. Was die SVP angeht, wäre es an der Zeit, sich wieder auf die alten Werte dieser ehemaligen Bauern und Bürgerpartei zu besinnen und sich nicht blind in den Sog von Ideologien städtischer Grosskapitalisten und Grossmäuler zu begeben. Aber eben, aufrechte Schweizer wie der SVP Bundesrat Samuel Schmid, sind nur halbe Portionen für die Demagogen aus der “Weltstadt“ Zürich und ihrer pseudo Gutmenschenpolitik.