<font size="1" color="#cc3a1e">Beispiel: Uhrzeit anzeigen</font>

Arsch für Kunstlöcher

PET 64148 (Young Sehnah Artist, YSA)

Prof. Dr. Claude Bertheim

Der Saatchismus ist eine Kunstrichtung, die in keine Richtung zeigt. Was die Kunst angeht, könnte man mit Fug und Recht behaupten : “Der Weg ist das Ziel, weg ist das Ziel“, sofern das Ziel einmal die Kunst war. Was den Markt angeht, da kommt der Saatchismus am Ziel an, denn Charles Saatchi ist von Haus aus eine Krämerseele, ein Fischhändler. Dem Hedge-Fonds-Manager Steven Cohen drehte er 2004 für 9.3 Mio Euro einen in Formaldehydlösung konservierten Tigerhai des britischen Künstlers Damien Hirst an. Damit machte Saatchi nicht nur 9.225.000 Euro Gewinn, sondern auch Hirst zum zweitteuersten Fischer nach Hemingway.

Saatchi der Markenmacher, der Labler vom Dienst, die Mutter Courage der Kunst schlechthin.

Diese moderne Marketenderin hat mit der historischen Marketenderin eines gemeinsam, sie zieht mit der Avantgarde aus der Konservendose mit, überlässt jedoch das Huren dem Büchsenöffner und bleibt schlicht die Zuhälterin im Malgrund.

Seine Devise:


- Erfinde ein griffiges Label wie etwa “Young British Artists, YBA“ oder „Vanish Oxy-Action“

- Bringe das Produkt an den Hof der Meinungsfürsten.

- Begeistere die Massen.

- Verkaufe im richtigen Moment.

Unter YMCA kann man sich mehr vorstellen als unter YBA, haben erstere doch ein gemeinsames Fundament, sie sind Männer, jung, und haben ihr Christentum. Letztere sind zwar jung, haben aber nur Saatchi und das, was er von der Kunst übrig gelassen hat, ihren in Formaldehyd konservierten Leichnam. Aber am Ende der Geschichte kommt ihm einer zu Hilfe, der Galerist Gerd Harry Lübke aus Dresden mit seiner “Eigen und Art“. “Wir müssen uns bewusst sein, dass der Kapitalismus gesiegt hat.“ Eine Erkenntnis, die uns Westler buchstäblich aus den Socken haut. Nicht der Kapitalismus hat gesiegt, wir im Westen haben gesiegt, lieber Lübke, und dies über die Kommunisten, da im Osten. Nun werden sie zum Kapitalisten herunter gedemütigt und mit dem Label p(ost)dekadenter Dresdner Schule versuchen sie Westkunst zu imitieren, ohne gemerkt zu haben, dass nur noch Idioten Kunst machen. Nun können Sie mir antworten was soll's, Hauptsache die Kasse stimmt. Richtig, die stimmt bei jedem Sektenpriester westlicher Prägung ebenso, angefangen beim Papst . Kapitalist kann man doch nicht werden, das ist man von Geburt auf. Wer im Kommunismus geboren wurde bleibt immer ein “Goi“ im übertragenen Sinne. Ein Kapitalist ist ein Kapitalist im Geiste, auch wenn er ein armes Schwein ist und keinen Cent in der Tasche hat, das sieht man ja bei jedem politischen Rechtsrutsch, aber das verstehen die Ossis natürlich nicht. Leute wie Lübke verwechseln, ohne mit der neureichen Wimper zu zucken, den sozialistischen mit dem infantilen Realismus und da der Kunstmarkt so oder so etwas für Bescheuerte ist, macht er sogar noch gut Kasse. Nur weil dieser Einfalt ein Pinsel hinten her streicht, ist noch lange nicht aller Abende Kunst. Aber eben, Bazon Brock sieht das schon richtig, wenn er unter den Bilderstürmern die wahren Ikonodulen vermutet, nämlich die, die der Ware Bildnis etwas mehr als nur ein Bildchen abringen möchten, auch wenn es nur die Kunst als solche ist, oder mal war, oder was auch immer.


(damien hirst)

Die Ware Kunst

Interview Dr. Gabi Zaun-Fertel mit HUS

GZF: Sehen Sie das auch so wie Bertheim?

HUS: Er liebt es natürlich zu provozieren, in vielem gebe ich ihm sicher Recht.

GZF: In was?

HUS: Vorerst gebe ich Lübke Recht, dass der Kapitalismus gesiegt hat. Dies habe ich lange vor ihm festgehalten auf einem grossen Tafelbild mit einem Sektkelch (ca. 1989). Den Preis habe ich damals gerade auf das Bild gemalt 17'000.- SFR., den Titel auch: “Ein Prosit auf den Kapitalismus!“

GZF: 17'000.- SFR zeigen, dass Sie 1989 auch noch nicht wussten was Kapitalismus ist.

HUS: Ja ich habe ihn in der Tat zu billig gemalt.

GZF: War das Bild ironisch gemeint?

HUS: Nein, es war einfach ein grosses Fragezeichen. Man wusste nicht wohin das führt, irgendwie ging alles zu schnell. Alle standen da wie Kinder unter dem Weihnachtsbaum, machten grosse Augen, und warteten auf die Bescherung.

GZF: War das die Zeit, als Sie Malbücher für Kinder ausgemalt haben?

HUS: Gut, das mache ich noch heute, das Ausmalen von Malbüchern ist eine meiner grossen Passionen. Was gab oder gibt es noch zu malen, ist doch alles schon da, also ausmalen. Da gibt es eine makabere Anekdote, die auch ein wenig mit dem Ende der Geschichte zu tun hat. Ich habe damals ein hervorragendes Malbuch gefunden, in welchem verschiedene antike Ruinen, die Pyramiden, Stonehenge, usw. vorgezeichnet waren, aber auch die Skyline von Manhattan mit den Twin-Towers. Niemals hätte ich damals gedacht, dass die beiden Türme schon bald auch Ruinen würden. Beinahe neige ich dazu, die Hegelsche List der Vernunft hinter diesem Malakt zu vermuten. Der Weltgeist hat mir ein Zeugnis abgerungen. - Nein, nein, vergessen Sie’s ich glaube nicht an den Weltgeist!

(hus)

GZF: Was war an 9.11. vernünftig?

HUS: An 9.11. ist nichts vernünftig, verstehen Sie mich nicht falsch, aber wenn man einfach den Kapitalismus, die Globalisierung etc. als das letzte aller Gefühle proklamiert, könnte es doch sein, dass am Ende der Geschichte diese sich selbst aufbäumt, sich zu wehren beginnt und der Menschheit die Zähne zeigt. Damit meine ich nicht das Treiben der Herren Bin Laden, Bush und Co. sondern die Natur selber, die Natur, die auf die Unnatur des Menschen reagiert. Wenn ich diese Tage lese, dass der Handyfunksmog wahrscheinlich unsere Bienenvölker vernichtet, dann stehen wir vor grossen Entscheidungen. Der Elektrosmog störe die Kommunikation im Bienenstaat, bestrahlte Bienen würden den Weg zur heimischen Wabe nicht mehr finden, ergo die Völker sterben aus. Entweder wir vernichten die Kommunikationssysteme der Bienen oder wir vernichten das Kommunikationssystem unserer Teenager, welche möglicherweise am Handyentzug verenden, wenn sie ihren Freunden nicht mehr mitteilen können, in welchem Bus sie gerade stecken. Abgesehen natürlich von einem Multimilliarden-Deal, der weltweit den Bach runter geht.

GZF: Was hat das mit der Kunst zu tun?

HUS: Wenn Sie mich fragen, ob die Kunst da etwas beisteuern oder gar verhindern kann, bin ich sehr pessimistisch. Sehen Sie sich bei Gelegenheit den Film “Architektur des Untergangs“ von Cohen an, und Sie werden sehen, was Kunst bedeutet, wenn sie von aussen gesteuert wird. Immerhin, die Popkultur hat in Sachen Vietnam etwas erreicht. Ein Werber und Kapitalist wie Charles Saatchi würde sich wohl hüten, eine Anti-Bush-Kampagne zu lancieren, die Kulturszene ist durch und durch strukturell korrupt.

GZF: Wie meinen Sie das?

HUS: Es gibt kaum freischaffende Künstler, es gibt fast nur freischaffende Maler-Tapezierer unter den Künstlern.

GZF: Da kommt mir die Tapete von Robert Gober in den Sinn: „sleeping white man and a lynched black one hanging from a tree“ oder so ähnlich, wäre das Kunst in Ihrem Sinn.

(robert gober)

HUS: Ja, wenn auch nicht als Tapete für mein Heim. Gober bringt es genau auf den Punkt, indem er den Vorwurf des Tapeziererkünstlers in den Kunstprozess einbaut. Dieses Werk funktioniert, ist im Grunde ein Trojanisches Pferd. Dieses Werk hinterlässt eine Spur in einem denkenden Hirn.

GZF: Ist es vielleicht so, dass die meiste Kunst gar nicht für denkende Hirne geschaffen wird?

HUS: Das haben Sie gesagt. Es mag sein, dass viele Künstler sich einreden, einer inneren Stimme folgend, etwas ganz aus sich heraus zu schaffen, den göttlichen Funken zelebrierend was weiss ich…

Ich selber glaube nicht daran. Ich glaube kreatives Talent setzt einfach eine Idee um, macht etwas sichtbar, was man nicht sieht und verdeckt, was man zu offensichtlich sieht. Im Rezipienten sollte dann etwas wie Enthusiasmus (von griech.: enthousiasmos = von Gott besessen) entstehen, dies meine ich natürlich im übertragenen, im agnostischen Sinne. Wenn dies vollbracht ist, dann ist der Prozess für den Künstler vorbei, das Werk ist ein Abfallprodukt dieses Prozesses.

GZF: Sie sprechen Ihren Essay “Das Kunstwerk, Abfallprodukt des Prozesses“ an.

HUS: Ja ich zitiere ein wenig in diesem Geiste. Für mich ist das Werk immer ein Simulacrum, welches den ursprünglichen Grund, nämlich die Unfähigkeit des Mannes, ein Lebewesen zu gebären, verschleiert.

GZF: Das glauben Sie?

HUS: Nein, das ist eine meiner Thesen, die ich im Essay zu erhärten versuche. Angefangen bei der Lesbe Sappho, eine, wenn nicht die erste Künstlerin, die ihrer sexuellen Praxis wegen wohl kinderlos geblieben ist (?) und Gedichte anstelle von Kindern hinterlassen hat. Künstlerinnen sind in der Kunstgeschichte selten wie Trüffeln, Frauen hatten diesen simulacren Gebärakt schlicht nicht nötig. Dies ist noch heute in matristischen Kulturen ähnlich, die Kunst fehlt fast vollständig. Nehmen sie die Häuser der Tojobales in Südamerika. Keins dieser Gebäude soll außergewöhnlich, eindrucksvoll, großartig oder prachtvoll sein. Prahlerei jeglicher Art ist verpönt. Das gleiche gilt für das geringe und einfache Mobiliar. Nicht das Andersartige, Originelle, Geniale, Einzigartige wird hervorgehoben, sondern das Gewöhnliche, um nicht zu sagen das Demokratische. Einen anderen Ansatz was die Nachkommenschaft angeht finden wir bei den ersten Juden. Diese haben am Anfang noch nicht an ein Leben im Jenseits geglaubt. Sie glaubten in ihren Kindern weiter zu leben. Kinderlose Ehepaare durften eine Stele im Tempel hinstellen, genannt “Jad Vashem“, die an sie erinnerte. Ein Höhepunkt männlicher Schwangerschaft stellt die Kopfgeburt des Zeus dar, welcher die Phallas Athene in voller Rüstung aus seinem Kopf gebar. Dieser männliche Komplex ist bis in unsere Tage hinein der Motor für Kunst, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik. Das Patriarchat ist nichts weiter als ein riesiger Minderwertigkeitskomplex vermischt mit der Angst, vergessen zu gehen, mit anderen Worten zu sterben. Kriege, der Holocaust, Amokläufe etc. sind alles Ausgeburten an Stelle von Geburten.

GZF: Wie sieht das heute aus, nach dem wir Frauen uns unsere Rechte genommen haben?

HUS: Mit dem Bericht des Club of Rom “Grenzen des Wachstums“, hat die gebärende Frau, die Mutter, einen Dämpfer erhalten. Ihr primärer Auftrag in der Evolutionsgeschichte, die Prokreation der Spezies, wurde mit dem Makel der Überbevölkerung versehen. Heute ist die Sachlage wieder etwas anders, z.B. die Deutschen sterben bekanntlich aus. Im Weiteren gehen die Feministinnen eher gespalten mit der Mutterrolle um. Kürzlich hat Alice Schwarzer in einem Talk gesagt, die Männer müssten sich mehr Mühe geben, da es sie seit der Invitrofertilisation nicht mehr benötige. Frau geht zur Samenbank und lässt sich einfach befruchten. Sollte eines Tages das Klonen ohne weibliche Leihmutter möglich sein, wäre aber auch die Frau antiquiert. Das wahre Ende der Geschichte ist das Ende des Patriarchats, welches vom Kapitalismus abgelöst worden ist. Der Kapitalismus ist die totale Versachlichung des Menschen in seine Dienste. Durch den “kapitalistischen Konsens“, hier bin ich eben mit Bertheim nicht einig, wird jedes Individuum in den Dienst des Kapitalismus genommen. Der Kapitalismus ist zu einer Art Übersubjekt geworden, in welchem der Mensch zum Ding, zum Objekt gemacht wird.

GZF: Aber es sind doch Menschen, die das Ganze steuern.

HUS: Sollte das mit dem Elektrosmog und den Bienen zutreffen, werden Sie erleben, was diese Menschheit letztlich noch steuert. Die werden munter alle Bienenvölker zu Tode telefonieren. Im Grunde müssten sofort alle Antennen ausgeschaltet werden, bis erwiesen ist, dass die Bienen nicht deswegen eingehen. Das Allerweltswort des kapitalistischen Systems, genannt Kapitalismus, ist der Sachzwang.

GZF: Aber unter uns gesagt, diese Sachzwänge haben die Chinesen auch. Haben Sie gelesen, der Jangtse ist mehr oder weniger tot und die Chinesen sind immerhin noch Kommunisten.

HUS: Wenn die Chinesen Kommunisten sind, bin ich ein Kamel das durch ein Nadelöhr kriecht. Ich selber bin übrigens alles andere als ein Kommunist. Ich betrachte es aber als falsch, den Faschismus und den Kommunismus als These und Antithese hinstellen zu wollen, aus denen der globalisierte Kapitalismus hervorgegangen ist, quasi als Synthese (Ende der Geschichte). Für mich sind die totalitären Systeme die These, die liberalen, globalisierten, kapitalistischen Demokratien erst die Antithese. Eine Synthese ist noch nicht in Sicht. So wie es momentan aussieht, könnte diese Synthese aber auch eine Mad-Max-Kultur oder gar der Untergang der humanen Kulturen sein.

GZF: Das ist aber arg pessimistisch.

HUS: Der Pessimismus ist neben anderem auch eine Folge affirmativer Massenkunst. Wenn die Kultur in ihrem Gebaren wie ein läufiger Rüde den Sachzwängen der Wirtschaft folgt, ist das Resultat das gleiche, wie ein Mensch, der nicht mehr zum träumen kommt. Er wird in der Klapsmühle enden.

GZF: Aber unsere Filmindustrien versorgen uns doch mit allerlei Albträumen.

HUS: Literatur und Film sind Künste, die etwas anders funktionieren als die so genannte freie Kunst. Ich selber erachte den Film als die wichtigste aller Gegenwartskünste. Da aber gerade der Film enormer Mittel bedarf, ist er immer politisch in Gefahr. Bestrebungen den Film platt zu drücken erleben wir immer mal wieder. Demnächst kommt ein interessanter Film in die Kinos: THE OIL CRASH.

GZF: Was halten sie von Künstlern die Millionenumsätze erzielen?

HUS: Erstens interessiert mich nur was sie machen, zweitens, was den Umsatz oder Verdienst angeht, gibt es keinen Unterschied zwischen einem Roger Federer, einem Herrn Vasella oder einem Damien Hirst. Verdienen hat mit Verdienst zu tun und dieser ist nicht einfach nach oben offen. Jetzt habe ich aber idealistisch gesprochen. Möglich ist aber jedes Einkommen, das wissen wir. Es ist aber auch möglich auf diesem Planeten zu verhungern. Ich neige nun nicht dazu, wie etwa Bertheim, täglich auf den Marktplatz zu gehen und zu schreien: 1 und 1 sind 2! Das liegt mir nicht, da hört auch keiner zu. Jeder muss selber wissen ob er in den Himmel will oder in die Hölle. - Verzeihen Sie mir diesen Ausrutscher, ich glaube ja selber leider weder an den Himmel, noch an die Hölle, noch an deren CEOs. Nein, was mich ärgert ist, dass diese grossen Vermögen oft sinnlos Mittel binden. Ich sage immer, die arme Frau Vasella muss täglich 35 mal zum Coiffure gehen um genügend Kaufkraft in den Haar-Markt zu bringen. Da hat sie aber keine Zeit mehr um die 400 Hektoliter Milch nach Hause zu schleppen und so “krepieren“ unsere Bauern und Coiffeusen. Wer zu teure Kunst kauft, hat Milch, (Kunst)Honig und Haare an den Wänden.
cum hoc ergo propter hoc

GZF: Danke für das Interview und Ihre spannende reductio ad absurdum.