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Plagiatsvorwurf an Paola Pivi
masacrécoeur von Rudi Schär 1998

Streitzone Mozartplatz

Da regt man sich in Salzburg über ein geplantes Kunstwerk der Italienerin Paola Pivi auf, welches die Mozartstadt weltweit in Verruf bringe, da es doch dem Genie Mozarts sowie der Stadt nicht gerecht werde, ohne zu bemerken, dass eine weit grössere Gewitterwolke von Süden heranzieht.

Streitzone Mozartplatz: Im Rahmen von Kontracom06 hat die italienische Künstlerin Paola Pivi die Positionierung eines "Geschenks an Mozart" vor dem Mozartdenkmal vorgesehen. Es handelt sich um einen alten britischen Hubschrauber des Typs Wessex. Er soll zwischen Mozart-Denkmal und Café Glockenspiel, auf den Rotorblättern liegend, positioniert werden. Das Fluggerät ist 20 Meter lang, vier Meter hoch und vier Tonnen schwer. "Die Künstlerin sieht die Dimension und den Charakter des Helikopters in Kontext zum atmosphärischen Umfeld optimal und führt damit einen starken und unerwarteten Dialog mit der Altstadtkulisse", heißt es in der Projektbeschreibung.

Soweit so gut oder eben schlecht. Die Provinzstadt Salzburg, in Sachen Gegenwartskunst scheinbar unbedarft und schlecht beraten, merkte vor lauter Aufregung über das kommende Monstrum nicht, dass ein viel wichtigerer Aspekt ausser acht gelassen wurde, nämlich der, der internationalen Akzeptanz bezüglich der Qualität des Werkes und da sei, so der Sehnaher Galerist und Kunsthistoriker Jo Bertheim, die Frage nach dem Plagiativen ein Primat. 1998 habe der Aktionskünstler Schär bereits einen Helikopter auf dem Rücken vor die Berenaer Oper gehängt. Somit sei der Materialaspekt sowie die Position de facto verbraucht, ja abgenützt. Das Neue fehle sozusagen, da sei die Luft raus. Rudi Schär dazu befragt: "Quatsch, die Pivi soll doch Helis verbraten soviele sie will. Helis sind nun mal geiler Stoff. Was mich stört, ist ihr Gequassel von wegen Verweis auf Mozarts beschwerliches Reisen zu der Zeit und die Pferdekutsche. Mozart wäre wenn schon mit einem Lear-Jet herumgegurkt wie die Abba. Was den unerwarteten Dialog angeht, na da muss ich schon sagen, wer mein Werk vor der Oper gesehen hat, dem kommt da natürlich nichts Unerwartetes mehr vor. Hätte man mir den Auftrag gegeben, ich hätte mich lächerlich gemacht, wenn ich schon wieder einen Heli benutzt hätte. Man hätte mir vorgeworfen, ich sei der Helimasche verfallen." Schär dazu befragt, was denn er mit dem Auftrag angestellt hätte? "Ich hätte abgelehnt und Ben Vautier vorgeschlagen, "Mozart n'éxiste pas", hätte der dann schreiben können. Es ist doch typisch für die Kulturindustrie, dass man ein Weltkulturerbe, wie es der Amadeus nun mal ist, auf ein Schokoladerl reduzieren kann. So etwas können nur österreichische Kulturbanausen und Gschaft'lhuber!"
Rudi Schär
Paola Pivi