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3.9.2012

Der total bekloppte Gutmensch

Die Schweiz und ihr ausgestossener Dichter Oskar Freysinger
H.U. Siegenthaler

Die reine Tatsache, dass sich Hecke auf Zecke reimt macht noch
keinen Dichter. Schwachsinn wird nicht zum Gedicht, wenn er sich
reimt, er wird nur noch schwachsinniger. Natürlich kann man
absichtlich über Schwachsinn dichten, das wiederum können nur
wenige. Nur die, die im Grunde einer idealistischen Poesie längst
ihren Glauben gekündet haben und nicht nur der Poesie.
Das Wallis hat durchaus seine schönen Seiten und die Rhone fliesst
fest und gefasst im steinernen Korsett. Nicht so der Katholizismus in
diesem Tal. Er tritt da und dort über die Ufer. Hart war das Leben am
Berg, das haben wir schon in den heiligen Wassern mitbekommen.
Abgeschnitten von der übrigen Welt, geteilt in zwei Sprachen haben
sich harte Köpfe gebildet. Wie so oft in der Evolution wird dann die
Schale dicker als der Kern. In dieser Weltabgeschiedenheit haben sich
die Pius Brüder niedergelassen und Bischof Lefebvre hat hier sein
rückwärts gewandtes Menschenbild verkündet. Wenn etwas schon
Rom zu weit geht, dann will man sich schon gar nicht mehr ausmalen
wie zu weit dieses geht. Der Erzbischof ist nicht das einzige schwarze
Schaf, das im Wallis sein Unwesen treibt. (In seinem Falle trieb)
Bleiben wir bei den Dichtern. Dass Rilke fünf Jahre im Wallis gelebt
hat, macht aus Sitten kein Weimar. Vor Jahren hat sich ein Tiroler
namens Freysinger im Rhonetal niedergelassen und mit einer
Schweizerin den Buben Oskar gezeugt. Oskarchen war ein kluges
Kind und er ist sich schnell über den eigenen Kopf gewachsen. Ob er
in einer Blechmusik die Trommel gespielt hat, ist dem Autor nicht
bekannt. Ob er so schreien konnte, dass Gläser zu Bruch gingen ist
ebenfalls nicht verbrieft. Tatsache jedoch ist, dass sich Oskarchen,
mittlerweilen zum Oskar herangewachsen, durchaus Gehör zu
verschaffen weiss.
Etwas fällt auf. Was heisst etwas, vieles fällt auf, aber lassen sie uns
unser Augenmerk auf folgende Tatsache richten: Als Redner am ersten
August sind in der Schweiz Patrioten gefragt. Patrioten sind uns, wenn
mit uns alles gut gelaufen ist, eher unheimlich. Pro Patria, Marken für
das Vaterland und Pro Juventute, Marken für die Jugend. Ja wer hat
damals in den 50er/60er Jahren und auch später nicht all diese bunten
Marken gesammelt aber auch Marken verkauft. Auch Oskarchen ist
sicher in den Genuss gekommen. Ja ja das Vaterland - unsere Väter
und Vorväter oder Altvorderen und dann erst die Söhne, der
Erstgeborene und ganz oben der Sohn Gottes, Gott selber der
Übervater und der heilige Dings.
Dem Autor ist nicht ganz dasselbe Schicksal beschieden, wie dem
armen Oskar. Auch er ist nicht ganz reinrassiger Schweizer. Sein
Schweizer Blut ist jedoch nicht ganz so dünn, wie das des Oskar F.
Sein Urgrossvater war sogar mehr als nur ein normaler Schweizer.
Sein Urgrossvater war ein so genannter Oberschweizer aus dem
Simmental.
Ausgewandert nach Ostdeutschland, weil die Schweiz nicht mehr alle
Bauernjungen ernähren konnte, ein Wirtschaftsflüchtling so zu sagen.
In die Nähe von Leipzig hat es ihn verschlagen, wo er bald alle Kühe
einer kaiserlich königlichen Domäne unter sich hatte und zum
Oberschweizer oder Obermelker wurde. Man sieht, in der grossen
weiten Welt sind der Schweizer und der Melker durchaus synonym. Er
heiratete eine dort Ansässige und kehrte mit einigen Goldstücken und
einer Frau und drei Kindern ins Simmental zurück. Die Frau und die
Kinder haben sächsisch gesprochen und konnten natürlich
Hochdeutsch, die deutsche Schriftsprache. Nun war und ist noch
sächsisch ebenso abartig wie etwa der Walliser oder der Oberländer
Dialekt. Dies ist eine typische Aussage eines Stadtberners, der
Berndeutsch zur Weltmittelpunktsprache erklärt hat. Da es sich um
den Urgrossvater handelte, kann ich getrost von meinen Schweizer
Vorvätern sprechen. Wenn aber Oskar F. in seiner Augustrede von
unseren Vorvätern spricht, da sticht dem Ahnenforscher etwas heiss
ins Auge.
War Oskarchen ein Muttersöhnchen? Das wissen wir nicht, wollen es
nicht wissen. Tatsache ist, er ist ein unheimlicher Patriot geworden.
Unheimlich meint etwas mehr, als ein nicht heimlicher Patriot. Wie
viel mehr, das weiss man nie. Oh Oskar darf das natürlich, wir leben,
wie er selber immer wieder betont, in einer Demokratie. Er ist also ein
Patriot und Volksvertreter - er ist wie wir alle wissen Nationalrat der
SVP, bei der Partei die da meint, dass sie das Volk sei und dadurch im
Grunde nicht ganz hundert ist, wie man im Volksmund sagt, denn die
anderen Parteien wissen, dass sie nicht das Volk sind und reden auch
nicht so, bis jetzt jedenfalls. Unter uns, wenn man nicht einmal die
Hälfte ist und meint man sei das Ganze, dann hat man sie doch nicht
alle oder? Ist ja logisch oder? Nun Freysinger singt sich frei davon
und ist alles, ist das Ganze, ist ein Universum für sich, denn er ist ein
Dichter und Festredner. Seinen Patriotismus hingegen holt er bei der
Mutter ab, da muss auf einmal - unter der Hand wohlverstanden - das
Mami, oder das Muti oder Mütterchen oder eben die Mutter herhalten.
Natürlich nicht ganz, im Grunde wird sie nur missbraucht. Oskar F. rekurriert seine Vorväter über die Mutter. Die Mutter, ähnlich
wie in Johann Jakob Bachofens Mutterrecht, in welchem das
Matriarchat in platonischer Manier nur als Durchgangsstufe zum
Höheren, zum Patriarchat angedacht ist, ist bei Oskar F. auch die
Mutti eine reine Durchgangsstufe. Eine Durchgangsstufe nach hinten,
zu den echten Vätern, den Schweizern. Der Tiroler kam ihm im
Grunde ungelegen, das muss an dieser Stelle einfach einmal gesagt
werden, sonst würde Oskar dichten: Ob Tomaten oder Paradeiser, das
Wetter, das macht der Kaiser. Und der Kaiser war Habsburger.
Habsburger! Meine Damen und Herren. Was wäre die Schweiz ohne
die Habsburger? Was Tell ohne Gessler, was Jesus ohne Kreuz? Jesus
war Jude, das wird auch oft unter den Teppich gekehrt. Bei dem war
die Mutter auch nur Durchgangsstufe zu etwas Höherem. Gut, die
Katholiken kaschieren diese Tatsache mit ihrem Marienkult ganz
ordentlich. Aber Gottvater ist unter uns gesagt doch auch Jude, wenn
auch nur im Geiste. Gott ein Hethiter oder gar Assyrer oder Ägypter,
undenkbar, auch wenn fast alles was diesen alten Jahwe ausmacht
abgekupfert ist. Ausser vielleicht dem heiligen Geist, dieser, eine
veritable Erfindung, dargestellt in einer Taube, ansonsten ganz
Fluidum Goldregen was weiss ich, aber wie heisst es doch so schön:
Lieber eine Taube im Herzen, als einen Sperling in der Dachrinne.
Übrigens, was meine Grossmutter angeht, auch sie hat noch sächsisch
gesprochen, vermischt mit einigen Brocken Berner Oberland. Sie hat
Kultur in die Bude gebracht. Schillers Glocke am laufenden Band
oder schön leucht uns der Morgenstern von Julius Sturm:

Wie schön leuchtet der Morgenstern!
Hab' doch kein andres Lied so gern!
Mit Tränen füllt sich jedes Mal
Mein Auge, spiel' ich den Choral.
's war damals, als der alte Fritz
Noch stritt um Schlesiens Besitz,
Hier in den Schluchten lag sein Heer,
Der Feind dort auf den Höh'n umher.
Da sah's im Dorf gar übel aus,
Die Scheuern leer, kein Brot im Haus,
Im Stalle weder Pferd noch Kuh,
usw. usw. usw.

Mütterlicherseits war der Urgrossvater, also der Vater der Grossmutter
ebenfalls Ausländer. Italiener. Auch er ein Wirtschaftsflüchtling, hat
sich getraut in die Schweiz einzubrechen. Aus dieser Ecke sind die
Künstler in die Familie gekommen. Meine Grossmutter war demnach
eine Secondo. Die war total angepasst. Ich glaube die konnte nicht
einmal italienisch. Was die Grossväter, also die richtigen Schweizer
angeht, der eine väterlicherseits war Gemeindeschreiber und
leidenschaftlicher Vereinsschütze und Waldhornbläser im Musikverein
und natürlich in der BGB (Bauern, Gewerbe und Bürgerpartei) aus der
die SVP hervorging. Mein Grossvater mütterlicherseits war
Lokomotivführer und leidenschaftlicher Jasser und Mechaniker und er
hiess ebenfalls Oskar. Bei so viel Herkunft muss es einem Oskar F. die
Tränen in die Augen treiben. Ich jedoch leide eher an dieser Überdosis
an Patriotismus an den Schützenkränzen und Medaillen und bin zwar
kein Wirtschaftsflüchtling, aber zu weilen im geistigen Exil.
Zurück zum Dichter und Festredner. Wenn wir uns ein Bild von
diesem Manne machen wollen, gestatten Sie uns nicht weiter auf
seinen Pferdeschwanz einzugehen. Zu oft wurde diese Äusserlichkeit,
sein Markenzeichen, wenn Sie so wollen, gegen ihn verwendet. Seine
politische Haltung ist rechts bürgerlich konservativ mit zuweilen
skurrilen Wendungen. Lassen Sie uns folgenden Passus aus seiner
Augustansprache von 2012 in Fiesch unter die Lupe nehmen:

Aber das Hohelied der Globalisierung und der internationalen
Machtballungen, das Hohelied des international verfilzten
Finanzsystems und seiner politischen Handlanger braucht willige
Arbeitsnomaden, Kopfnicker, brave, unkritische Steuerzahler, die den
Kakao bezahlen, durch den man sie zieht ... und die ihn daruber
hinaus auch noch ausschlurfen!

Da muss man doch zuerst drauf kommen, dass hier ein Rechter am
Werk ist. Da lebt unser Land, seit es multinationale Konzerne gibt, an
der Nabelschnur von Nestlé, Novartis, UBS und Co. und Herr
Freysinger pinkelt denen wie ein anarcho angehauchter Juso an die
Beine. Aber eben, multinational, das ist vom Teufel, das ist nicht mehr
nur Schweiz, das ist ökonomisches Multikulti-Zeugs, das im Ausland
stattfindet. Aber dann: politische Handlanger, willige unkritische
Kopfnicker und Steuerzahler... Wen genau meint er nun? Selten so
willige Kopfnicker gesehen, wie bei der SVP. Mit Arbeitsnomaden
meint er wohl diejenigen, welche auf Grund der Personenfreizügikeit
ins Land kommen und zu Dumpinglöhnen arbeiten. Da ist er mit den
Gewerkschaften in einem Boot. Wer anderes aber stellt billige
"Büezer" an als die KMU Betriebe, insbesondere im Baugewerbe,
und wo sind diese Herren politisch zu verorten? Doch weiter:

Wer widersteht, dessen Ruf und Ehre werden durch das
vereinheitlichte, sklavisch nachplappernde Mediensystem
erbarmungslos zerstört.

Wessen soll da widerstanden werden, der Globalisierung, dem
Finanzsystem? Während des kalten Krieges haben linke Lehrer in der
Tat den Job verloren oder keinen gefunden, wenn sie eine Fiche
hatten. Und affichiert haben die Rechten die Linken in diesem Lande.
Die CH-Stasi war eine bürgerlich reaktionäre Angelegenheit. Damals
wurde man in der Tat um Ruf und Ehre gebracht, heute wird man ja
sogar Nationalrat und Gymnasiallehrer, wenn man sich in die Nähe
von Neonazis wagt. Natürlich gab es Ausnahmen, aber Leute, die wie
der damalige SP Nationalrat Peter Vollmer in die DDR reisten um zu
Hause ein Hohelied auf den Arbeiterstaat zu singen, waren ungefähr
gleich daneben wie SVPler, die an jeder Ecke ein Minarett aus dem
Boden schiessen sehen. Man hat oft das Gefühl, die Linken seien
etwas moderater geworden und hätten dazu gelernt. Es gibt ja den
kommunistischen Feind nicht mehr, die Linke ist rhetorisch nicht
mehr so links wie sie es damals war und für die SVP ist links eben
links von der SVP und das sind fast alle. Was die nachplappernden
Medien angeht, ohne die Hilfe der Medien, wäre die SVP um einiges
kleiner ausgefallen. Populismus funktioniert nur, oder fast nur über die
Medienschiene. Und da genügt die Weltwoche bei weitem nicht. Ohne
Arena könnte uns Prof. Dr. Mörgeli nicht mit Worten belehren wie:
"Wüsset Si, d'Wält isch äbe grad nid so wi Si dänket, sondern so wi
mir vo d'r SVP si dänkä". Sobald die SVP 51% Wähleranteil erreicht
hat, kann sie die Medienvielfalt vereinfaltigen und einen
Propagandaminister stellen. Herr Köppel wird sich sicher gern zur
Verfügung stellen, auch wenn er nicht bei der SVP ist, wie er sagt.

Sie kehrt noch zuruck, die Zeit eines einzig selig machenden Dogmas,
die Zeit des Totalitarismus, die Zeit der verantwortungslosen, nur auf
ihr Image und ihren Vorteil bedachten Eliten.

Was in aller Welt meint er nun damit? Meint er den Faschismus? Den
Kommunismus kann er ja nicht meinen, denn die neoliberale global
tätige Wirtschaft ist alles andere als kommunistisch und sie wird ja
von ihm angeprangert. Im Nationalsozialismus war es so wie Oskar F.
es menetekelt. Dort schwammen die Eliten oben auf, z.B. die Ärzte im
Kampf gegen die Reinheit der Rasse. Die Kunsthistoriker und
Künstler hatten den Volkskörper zu verschönern. Da waren lauter
Dichter, Denker und Künstler zu Gange, die zuvor von den jüdisch
bolschewistischen Kulturorganisationen, wie es im Nazijargon hiess,
ausgeschlossen wurden, wie der arme Oskar Freysinger vom
Schweizerischen Schriftstellerverband. Da, in der Tat, hat sich etwas
wiederholt. Ob das klug war, ist eine andere Frage. Der Verband hat
Statuten und die politischen Tiraden mit Sentenzen wie: Kanaken
Kacke und ein Heer von Kakerlaken...
dürften da nicht standhalten.
Schon einmal kam aus dem Wallis ein Geist angekrochen, der die
Literaten der Schweiz auseinandergebracht hatte. Nicht dass ähnliches
vor der Türe steht, denn die Gruppe Olten ist ja inzwischen
heimgekehrt ins Mutterhaus.
Wie aber kam es damals dazu, dass sich einige Autoren nicht mehr
wohl fühlten im SSV?
Ein Mann aus Sion, Maurice Zermatten, als ob der Name Programm
wäre, blies allzu stark ins rechte Matterhorn:

In der Gruppe Olten sammelten sich zunächst Mitglieder des
Schweizerischen Schriftstellervereins (SSV), die 1970 aus dem Verein
ausgetreten waren, weil dieser ihrer Ansicht nach von reaktionären
Kräften dominiert wurde. Der äussere Anlass zur Sezession war die
vom SSV-Präsidenten Maurice Zermatten (anonym) verfertigte und in
ihrer antikommunistischen Tendenz, die alle linken Intellektuellen zu
Landesverrätern“ stempelte, noch verschärfte französische
Übersetzung des amtlichen Zivilverteidigungsbuches, das im Geist des
Kalten Krieges die Bevölkerung zu gegenseitiger Bespitzelung
aufforderte und in alle Haushaltungen verteilt wurde. Nach der
Aufdeckung dieses „Skandals“ durch Franck Jotterand erschien
zunächst am 27. Oktober 1969 in der Gazette de Lausanne ein Protest
von 78 Schriftstellern und Professoren aus der Romandie. Nachdem
der Vorstand des SSV Zermatten weiterhin einstimmig sein volles
Vertrauen ausgesprochen hatte, suchte Jotterand den Kontakt auch zu
den Deutschschweizer Schriftsteller-Kollegen, um kurz vor der
ordentlichen Generalversammlung des SSV gemeinsam den Austritt zu
erklären. (Wikipedia)

Die Schweiz, seine schriftstellerische Heimat, hat ihn vor der Türe
stehen lassen. Mein Gott denke ich mir, das ist nun auch nicht die
ganze Welt, in so einem Verein mitzumachen. Meine Wenigkeit hat
sich noch nie darum bemüht, in so etwas aufgenommen zu werden.
Mein Vater war ein Verbandsmensch und Vereinsmeier. Mir sind
solche Gruppierungen im Grunde zuwider. Nicht so dem Oskar F.
Dass er bei den Serben angeheuert hat, kann ich nicht nachvollziehen.
Es ist mir im Grunde egal. Oder doch nicht. Da war doch noch ein
anderer, ein Österreicher, der mit Serbien etwas am Hut hatte? Nein,
aus Freysinger literarisch einen Handke machen zu wollen, das ist als
wenn man aus einem Zitronenfalter eine gefaltete Zitrone machen
wollte. Was Serbien und Slobodan Milošević angeht, da ist Handke
selber etwas wie eine gefaltete Zitrone.
Günther Grass hat in einem Interview über den Fall Handke gesagt:

Ich lebe ungern damit, dass man Schriftstellern eine Art Geniebonus
zuspricht, der ihnen dann erlaubt, den größten und
gemeingefährlichsten Unsinn mitzumachen.

Unser Oskar F. hat zwar als Anonymus einen Lyrikpreis erdichtet in
der Sparte Amateure, und was für den Geniebonus gilt, gilt im Grunde
auch für den Amateurbonus. Auf der Homepage der
Unternehmensberatungsfirma von Klaus J. Stöhlker bezüglich
Ablehnung Oskar F. durch den SSV lesen wir:

Es ist nicht auszuschliessen, dass die von uns ebenfalls
diskriminierten Serben, die Freysingers jüngstes Buch übersetzt
haben, über mehr fachliche Intelligenz verfügen. Aus Oskar
Freysinger nun einen Schweizer Peter Handke zu machen, der die
falschen Freunde im Balkan hat, grenzt in beiden Fällen an
Schwachsinn.

Es ist vielleicht an der Zeit, dass auch Kulturvereine
Unternehmensberatungsfirmen beiziehen. Wieso? Offensichtlich
haben sie das nötige Know How. Wir leben in einer Welt, die sich für
Geld beraten lässt oder anders gesagt, in der wir für uns denken
lassen. Zahlt man für etwas, so muss dieses Etwas ein Gegenwert sein
und der kann in diesem Falle nur etwas sein, das Hand und Fuss hat.
So könnte im Grunde das Feuilleton seine Literaturkritik bei Stoehlker
einkaufen. Im Falle des O. Freysinger ist der Texter (ich nehme an es
war Stöhlker himself) beim Poeten zu Besuch gewesen. Er bestätigt
uns, dass Freysinger seine Frau nicht unterdrückt, und dass die Kinder
beinahe antiautoritär gehalten werden. Das ist nicht nur Literaturkritik,
das ist sogar soziologische Feldforschung. Der Dichter wird in seinem
Habitat aufgesucht und analysiert. Habitat gut, Schreibe gut, alles gut.
Nein, viele der Gedichte sind erbärmlich. Mein Vater hat für seine
Männerchorkollegen an Jubiläen anständigere Verse geschustert,
sprachlich wohlverstanden. Will man diese Gedichte inhaltlich
überleben, muss man schon die paranoide Ideologie dieser
Hobbyschweizer im Neocortex verankert haben. Man mag mir den
Ausdruck Hobbyschweizer als beleidigend vorwerfen, ist er aber
nicht. Ich bin Schweizer. Dafür kann ich nichts, das ist so und das ist
im Grunde schon alles fürs Erste. Hobbyschweizer sind Schweizer, die
sich ihr Schweizersein dauernd bestätigen müssen. Wie etwa bei den
Hobbyfotografen, die sich im Fotoclub zusammenfinden, Zweck,
gegenseitige Bestätigung.
Wir alle sind das lebendige pulsierende Land... und vieles mehr steht
da in der Augustrede.
Lieber Oskar F. Das klingt leider ein wenig so wie: "Wir alle sind der
Volkskörper, nehmen wir doch die Schwarmintelligenz der SVP an, so
wird Blocher und Co. schon links rechts auf und ab brüllen und wir
werden gehorsam unserem Müssen folgen." Das Müssen, habe ich bei
Blochers Bruder gelernt im Schawinsky Interview. Ich habe mir dieses
angetan. Es kam einer geistigen Selbstverstümmelung gleich.
Natürlich werden Sie mir widersprechen und ein Hohelied auf die
Freiheit anstimmen. Aber was soll das, Freiheit in diesem Lande kann
nur durch die Pluralität und Vielfalt gewährleistet werden. Ja sogar das
von den Rechten so verschrieene Multikulti muss mit von der Partie
sein, ist Garantie für die Erhaltung der Freiheit. Wo ihr aber Recht
habt, da habt ihr Recht, das Gesetz muss eingehalten werden. Raser
haben auf unseren Strassen nichts zu suchen. Im Oberland, im
Simmental gibt es kaum Balkanraser, da gibt es die rasenden
Eingeborenen, mit ihren bunten Autos und den unnötigen
Pubertätsspoilern, oder die Töffraser, die meisten ebenfalls SVP nahe
Gesinnungsgenossen. Aber die könnt ihr ja nicht an die Grenze stellen.
Wie wäre es mit einem Gedicht, das den Satz beinhaltet: "Kehre zuerst
vor der eigenen Tür". Der Motorenkult der Landjugend in der Schweiz
ist dem des Balkan gar nicht so fern, aber wem sage ich das. Der
Beweis für den Hang zur Motorenideologie ist die Autopartei, welche
noch rechts von der SVP platziert war. Dieses Land, lieber Oskar F.,
ist mehr als eine Idee, dieses Land ist ein moderner Staat, der sich
anstrengen muss, um im europäischen Verbund mitzureden und
mitzudenken. Der sich nicht nur als rosinenpickende Ferieninsel für
Milliardäre und deren Schwarzgeld herausputzen darf. Das böse
Ausland will nicht in erster Linie unsere seriösen Institutionen
zerstören, es will die schwarzen Schafe in den Geldinstituten am
Pranger sehen. Die, die Anreize schaffen zur Steuerflucht und die
dabei wacker zur Hand gehen. Überleben im globalen Netzwerk der
Wirtschaften heisst mit starken seriösen Partnern verbunden sein. Es
bringt wenig auf andere zu zeigen, die ebenfalls Dreck am Stecken
haben. Sie lieber Oskar F., der Sie immer wieder den Namen Gottes in
den Mund nehmen, was denken Sie denkt sich dieser liebe Gott, wenn
er sieht, was für Dreck in den Tresoren unserer Banken liegt? Wenn
Sie schon den Multis und den Geldinstituten an den Kragen wollen,
dann aber etwas konkreter als in Ihrer Augustrede.
Warten wir es ab. Obama wird wohl gehen müssen und Mitt wird froh
sein, dass er der Hatz auf die Steueroasen ein Ende setzen kann, denn
es sind doch seine Kumpane, die ihr Geld da verstecken und nicht die
Schwarzen und weissen Obdachlosen in ihren Kartonkisten. Ein
christlicher Dichter würde dichten: Kommt zu uns ihr armen Sünder,
bei uns im Wallis lebt ihr gesünder, wir füttern Euch mit Aprikosen,
ansonsten landen die in Dosen. Aber eben, wer war schon Christus?
Die Antwort müssen wir für die SVP geben, da Konsequenz leider
nicht ihre Stärke ist:
"Ein total bekloppter Gutmensch!“
l

Noch eine Kostprobe aus dem Schlussgedicht der Rede:

Es steht in meinem Heimatland

So manches Kreuz am Wegesrand,

hier find ich, wenn das Ende naht

den lang ersehnten Himmelspfad.