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30. Dezember 2010

Prof. Karl Horazio Daumer,

Der Einmischling und die Dildo Gesellschaft

Junggesellenmaschine

Nachruf auf den umstrittenen Soziologen aus Berena, Karl Horazio Daumer, der am Montag den 27. Dezember im Alter von 87 Jahren einem Herzversagen erlag.

von A.C. Sauerberg

Die Kapitalistische Arbeiterpartei Sehnahs wurde 1965 von dem Soziologen Karl Daumer gegründet. Im gleichen Jahr wurde die KAS-Press mit dem Parteiorgan „Ran an den Speck“ ins Leben gerufen. Das KAS Parteiprogramm geht aus dem Denken A. Kojèves hervor.

Die wechselseitigen Anerkennungskrisen zwischen Herrn und Knecht führt, so Kojève, zu einem Verschwinden des Herrn, während der Knecht sich allmählich zum Herrn über die Natur aufschwingt. Wie Hegel sieht Kojève das Ende der Geschichte mit dem Napoleonischen Europa erreicht, einer universellen und homogenen Zivilgesellschaft, die gänzlich auf wechselseitiger Anerkennung gleichberechtigter Citoyens fußt. Im Hegelschen Modell endet die Geschichte mit dem Sieg der Ideen der Französischen Revolution in der Schlacht bei Jena. Seither gibt es keine neuen politischen Ideen mehr, sondern nur noch ihre Verbesserung und Vertiefung. Das Zeitalter des historischen Menschen und des politischen Handelns im starken Sinne ist zu Ende. Fortan verwirklicht sich der Mensch nur mehr in der Kunst, der Liebe und im Spiel, und kann darin zu seiner ursprünglichen, durch die Zivilisation geläuterten Tierhaftigkeit zurückkehren. Im Gegensatz zu Marx ist der Endzustand der geschichtlichen Entwicklung nicht sozialistisch oder kommunistisch, sondern liberal-kapitalistisch - eine These, die neuerdings durch die an Kojève geschulte Hegel-Lektüre Francis Fukuyamas aktualisiert und kontrovers diskutiert wurde.

Für Karl Daumer sind die meisten Bürger immer noch so genannte domestizierte Proletarier, welche sich durch rechtskonservative krypto-faschistische Ideen einlullen -, oder sich von Linken den Stempel Working Poor aufdrücken liessen. Der freie von finanziellen Sachzwängen befreite liberale Bürger, unbelastet von solchen Komplexen, strebe ein in allen Belangen ausgefülltes Leben in Wohlstand und in Harmonie mit der Umwelt an. Erst er dürfe sich Kapitalist nennen.

Dass gewisse Leute übermässig Geld erhalten sei im kapitalistischen Kontext zwar OK, pervers sei nur der Umstand, dass sie es nicht selber ausgeben könnten da sie zu viel arbeiten müssten. Auf der anderen Seite seien Leute immer noch ohne Arbeit. Diese Arbeitslosen hätten zu wenig, bis kein Geld. Für Daumer den Wissenschaftler und Forscher war die Schweiz was für Biologen der Amazonas. Leute wie Vasella, Ackermann, Humer und co waren seine Laborratten. So warf er ihnen denn auch vor sie hätten ihr Time-Management schlicht nicht im Griff. Sie müssten pro Jahr mindestens 10 Jahre Ferien haben, um auch richtig Geld für sozial nachhaltige Produkte (Produkte, die nach Daumer ein Höchstmass an Arbeit und Wertschöpfung für die gesamte Gesellschaft generieren) ausgeben zu können. Daumer griff zuweilen auch zu skurrilen Äusserungen wie etwa in dem Kapitel Gewinnoptimierung an der Managerressource. Managern mit überrissenen Gehältern und Boni müsse man einen künstlichen Darmausgang mit Sack und einen Katheter verpassen. Ihr Gang zur Toilette sei für die Aktionäre nicht zumutbar. Wenn einmal urinieren mehr koste als das Monatsgehalt eines Durchschnittverdieners, dann sei ein System definitiv total pervers. An anderer Stelle verlangt er, dass sich Manager pampern sollen oder anstelle eines pompösen Chefsessels schlägt er eine Toilette mit Closomat vor. Wenn schon Sparkurs, wenn schon Gewinnoptimierung, dann auch richtig meine Herren!

Arbeitslose Kapitalisten seien geradezu prädestiniert Geld in den Wertefluss der Gesellschaft einzuspeisen. Daumer schlägt vor, dass Spitzenabzocker Arbeitslose beschäftigen sollen, die ihr Geld in den Wertefluss der Gesellschaft zurückzuführen sollen, indem sie es an deren Stelle ausgeben. Der 1-Euro-Job nach Daumer: Pro 100 ausgegebene Euro verdient der Geldverwerter einen Euro steuerbares Einkommen.

Daumer meint weiter, dass hohe Einkommen ( laut Präsident Rowland Bolar ab 2 Millionen/Jahr) viel zu viel Verwaltungsaufwand mit sich brächten. Die wenige Freizeit welche den Managern noch bleibe sollten diese nicht mit “Geldzählen“ verplempern.

Jedes gut erzogene kapitalistisch-bürgerliche Kind werde in der Tugend des Teilens erzogen, während der Pöbel, die Proletarier- und Neureichenkinder, mit den Ellenbögen ihre Suppen auszulöffeln pflegten. Die Eliminierung der sozialen Differenzen sei ein Muss für jede saubere kapitalistische Gesellschaft. Der Neid könne nur mit Kapitalspritzen bekämpft werden.

Die stärkste Opposition gegen diesen Volkskapitalismus erwächst von Seiten der Grünen. Eine Studie in Sehnah hat ergeben, dass geizige Superreiche den niedrigsten CO2 Ausstoss zu verzeichnen hätten, da diese Kapital binden, welches verteilt auf viele, den allgemeinen Verbrauch massiv anheben würden. Diese Klumpenbildungen seien von Nöten für jede Umwelt und für eine positive CO2 Bilanz. Verteiltes Kapital würde sinnlos mit Benzinschleudern gen Himmel geschickt, um nur ein Beispiel anzufügen. Man sehe es schon daran, Superreiche sässen oft mit einem dicken Pullover in einer ungeheizten Villa, während jede Sozialwohnung auf 22°C hoch geheizt würde. Es sei auch recht schwierig, arme Leute zu Geizkragen zu erziehen.

Ist die Freizeit neben Geld und Gütern ein primäres Kapital? Bei normalen Menschen sei das so, sagt Daumer. Die Tatsache, dass nun aber viele Leute ihre Ferien im Feriendorf am Strand mit Animator und Co verbrächten sei ein typisches Anzeichen für eine unmündige, verblödete Gesellschaft.

“Arbeit macht frei“, der Slogan an den Eingangspforten der Nazi-KZ’s sage einiges aus über faschistische Denkweise. Näme man diesen Satz ernst, so bedeutete er, dass ein Arbeitsloser per Definition unfrei sei. Die Insassen in den KZs wurden zur Sklavenarbeit gezwungen, sie waren moderne Sklaven. Ebenso erging es Millionen in der Diktatur des Proletariats im kommunistischen Gulag.

In einer freien Marktwirtschaft sind jedoch solche staatlichen Institutionen nicht erwünscht, da sie die privaten Betriebe konkurrenzieren, es sei denn, man kann die Kräfte billig zumieten, wie etwa Siemens, IG Farben etc. in den deutschen Lagern, dann wären sie praktisch um die Löhne der “freien“ Arbeiter zu drücken. Daumer warnt vor einer Gefängnis-Industrie Industrie, sie ziele in diese Richtung.

Eine freie kapitalistische Gesellschaft ist nach Daumer jedoch nicht auf dem Profitstreben weniger aufzubauen sondern auf dem Profitstreben aller. Kapital ist nach Daumer sowohl Kaufkraft, Freizeit und Lebensqualität. Eine intakte Umwelt ohne die lästigen Umweltkatastrophen, welche ganze Städte versenken, saubere Luft, sauberes Trinkwasser, sind wichtigere Komponenten in seinem Kapitalbild als das triviale Geld. Die Südseeinsel sei längst kein Zufluchtsort mehr für Steuerflüchtige und Superreiche, dafür sorgten die örtlichen Zunamis. Es sei bezeichnend, dass sich an der Wallstreet oder der Zürcher Bahnhofstrasse kein vernünftiger Mensch länger als eine Stunde aufhalten könne, da Feinstaub- und Ozonwerte dermassen unter aller Sau seien. Schaue man aber, was der Quadratmeter Boden da koste, tippe man sich an die Stirne. Was sich heute Kapitalisten schimpfe, sei ein Haufen hirnloser Idioten so Daumer an anderer Stelle. Die kurzsichtige Niedrig-Lohnpolitik führe dazu, dass bei vielen zu wenig Kaufkraft vorhanden sei, um sich ein Hybridauto leisten zu können. Das domestizierte Proletariat verseucht die Luft, die auch die armen Reichen mitatmen müssen. Gut, Ospel und Co. haben sicher das nötige Kleingeld für ein privates Sauerstoffzelt, aber wer will schon als “Taucher“ durch diese Welt wandeln?

Arbeit müsse in sinnvolle Beschäftigungen umgewandelt werden. Ein Gartenbeet umzustechen sei z.B. eine sinnvolle Beschäftigung, die zwar (nach der alten Weltordnung) wenig Profit abwerfe. Wer dann aber eine Karotte aus diesem Beet esse, der erlebe so etwas wie eine Initialzündung, ein Erlebnis das mit Geld einfach nicht gekauft werden könne. Daumer zitiert weiter den frühen Hegel, welcher schon vor Marx von Entfremdung gesprochen habe und greift den Casino-Kapitalismus, welcher mit der Realität nichts mehr zu tun habe, scharf an. Er nennt die heutige Gesellschaft lange bevor Handys als Vibrator benutzt werden konnten, Dildo-Gesellschaft. Aufschlussreich ist denn auch seine Bordellstudie. Was sich da an armseligen Figuren mit weiss gepuderten Manager-Nasen herumtreibe, sei die wahre neue Armut, schreibt er.

Und zu guter letzt noch an die Adresse der Gentechniker: Sie werden es fertig bringen, da ihnen die nötige Kultur fehle, dem "Übermenschen" jene am weitesten verbreitetet Eigenschaft einzupflanzen: “Die Dummheit“. Hier geht er einig mit seinem Kollegen K.C. Broom.

Daumer gehörte zu den herausragenden Gestalten der sehnaher Geisteselite. Seine markigen Sprüche verliehen ihm zweifelhaften Weltruhm, seine seriösen Arbeiten hingegen sind komplex und nur wenigen bekannt. Sie zeigen auf, wieso sich Grossaktionäre oft nicht gegen die Spitzengehälter ihrer CEOs erheben. Sein Nachfolger auf dem Daumerlehrstuhl für Wirtschaftssoziologie, Galvo Signari hat in seiner Vorlesungsreihe "Das Lachen der Vasallen" die Thesen von Daumer aufgenommen und eingehend studiert.

Mit Prof. Karl Horazio Daumer ist einer der ganz grossen gegangen. Bis zu letzt hat er sein Stimme gegen das soziale Unrecht erhoben und sich eingemischt. Daumer, dessen Mutter aus Indien stammte, sagte von sich selber: "Ich bin ein Mischling, ein Einmischling!"