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28.Juli 2010

Der böse Gott der Loveparade

A. F. Grazi


Im göttlichen Plan der Evolution hat auch die Dummheit ihren Platz. Solange Dummheit im Häuslichen, im Privaten stattfindet, soll sie uns am Allerwertesten vorbei gehen. Wird sie aber öffentlich und trifft einen Nerv, dann ist es angebracht ihr eins auszuwischen. Gott, wenn es ihn denn gibt, hat sie zugelassen, soviel steht fest. Gibt es diese Zulassungsbehörde jedoch nicht, so stehen wir vor der Tatsache, dass sie trotzdem in unserer Welt vorkommt.
Wieso diese bescheuerte Einleitung werden Sie denken, lieber Leser. Weil es um Gott geht, darum. Der Schweizer EDU Nationalrat Andreas Brönnimann habe sich zum Loveparade Drama wie folgt geäussert:

Gott hat das Unglück zugelassen, weil es ein gottloses Treiben war. Die Bibel verurteile sexuelle Ausschweifungen und Drogenkonsum klar.

Solch unbedarftes dummes Geschwätz von Hobbytheologen gibt es bei jeder kleineren und grösseren Katastrophe. Die Bibelfesten berufen sich auf den Buchstaben, namentlich auf das alte Testament, doch ging Jesus selber vorsichtiger um mit solchen Unterstellungen an die Adresse seines Vaters? “Eli, Eli, lama asabthani?“* Für diesen Ausspruch haben wir ebenso Verständnis, wie wir Verständnis haben für jene Frauen, die in der peinlichen Befragung durch die göttliche Inquisition zugegeben haben Hexen zu sein. Wo aber, wenn schon war der Vater wirklich, als der Sohn ans Kreuz genagelt wurde? Oh ja, dieser hat es natürlich nach Brönnimannscher Logik einfach zugelassen, wie er Auschwitz zugelassen hat. Jesus, seinen Sohn, hat er für ein weiteres Kapitel des heiligen Buches geopfert und Auschwitz war die Strafe für den Verrat, der dieses Buch überhaupt möglich gemacht hat und Hänsel streckte ein Knöchelchen durch das Gitter und die böse Hexe wunderte sich, dass der Bub nicht Fett ansetzte. Zu empfehlen ist dann wohl auch noch das Buch Hiob, namentlich das Verfahren Gottes gegen die Freunde Hiobs, die sich anmassten, Gottes Prüfungen nach Brönimannscher Manier zu kommentieren.
Wie zutiefst menschenverachtend solche Anmassungen sind, ist dummen Leuten selten bewusst. Sie fühlen sich im Schosse ihres (falsch verstandenen) Buches sicher und unter ihresgleichen finden sie gegenseitig Bestätigung. Im Grunde sollte man über solches Geschwätz einfach hinwegsehen und keine Sekunde daran vergeuden. Der nichtgläubigen Verfasserin dieser Zeilen tun alle moderaten Gutgläubigen leid, denen von fundamentalistischer Seite ein solches Gottesmonster zugemutet wird. Sie, die Gutgläubigen müssten eigentlich aufschreien. Die reine Tatsache, dass es keinen deus ex machina gibt, bedeutet ganz einfach, es passiert, was passiert und das ganz ohne ein göttliches Verhindern oder auch Zulassen. Traurig ist einfach, dass es Menschen gegeben hat, die das Unglück vorausgesehen haben, nicht als Hellseher, sondern als Klardenker. Es gibt zum Glück nicht nur Dummköpfe auf dieser Welt. Doch offensichtlich sind die Dummköpfe in der Überzahl, ein kleines Problem für jede Demokratie.

Meine Vergangenheit in Bundesbern ist nun Deine Zukunft!

Brönnimann trat das Mandat von Christian Waber im CH Nationalrat an. Hier das Schlusswort Wabers bei der Stabsübergabe:

Zur Ermutigung gebe ich Dir als meinem Freund folgenden Bibelvers mit auf den Weg ins Bundeshaus: «Siehe, ich habe dir geboten, dass du getrost und unverzagt seist. Lass dir nicht grauen und entsetze dich nicht; denn der Herr dein Gott, ist mit dir in allem, was du tun wirst» Josua 1.9.

alt Nationalrat Christian Waber

(* Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen)

(Quelle 20 Minuten, Bern)

29.7.2010

Heute kommt auch schon die Verteidigung.

Das Problem liegt nicht darin, was Herr Brönnimann bedauert oder nicht bedauert, das Problem liegt darin, was er glaubt zu wissen. Wenn er zu wissen glaubt, dass sein Gott ein Unglück zulässt, weil diesem das ausschweifende Treiben einer Loveparade nicht gefällt, dann wird dieser Gott zu einem in der Gegenwart handelnder Gott, der eben auch verhindern könnte, wenn er wollte. Bei uns Menschen nennt man das dann eine Unterlassungssünde, oder verweigerte Hilfeleistung. Diese ist dann zu verfolgen, wenn erwiesen ist, dass der oder die Unterlassende in der Lage gewesen wären zu helfen. In unserem Falle begründet Brönnimann die Unterlassung mit dem Missfallen Gottes, ergo können wir von Absicht sprechen und diese Absicht kommt einer Bestrafung gleich. Da wir aber nicht wissen können, ob überhaupt ein Gott existiert, verschweige denn ein handelnder, muss Brönnimann für sein geglaubtes Wissen und seine Aussage, stellvertretend gerade stehen.

Noch stehn wir nicht vor dem jüngsten Gericht, Herr Brönnimann, und Ihr Gott gehört dann nach irdischer Rechtsprechung selber auf die Anklagebank.