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12. März 2010


Die unkeusche Kirche

A.C. Sauerberg

Die alten Zölibatäre tun sich schwer, paradoxerweise indem sie es sich einfach machen. Herr Ratzinger und seine klerikale Entourage werden nicht müde die Welt mit ihrem Halbwissen über die Irrungen und Wirrungen menschlicher Sexualität zu bemühen. Ratzinger ortet die pädophilen Gepflogenheiten vieler seiner Hirten bei einer zunehmenden Glaubenskrise. Das Oberhaupt der katholischen Kirche sprach davon, dass diese Glaubenskrise wesentlich zu "dem Phänomen des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen beiträgt". Deshalb forderte er eine "bessere Vorbereitung von Bewerbern auf das Priesteramt" und zwar "in menschlicher, wissenschaftlicher und seelsorgerischer Hinsicht". Walter Mixa Bischof von Augsburg macht es sich noch einfacher, er gibt kurzum der sexuellen Revolution von 68 die Schuld.

Lebewesen, die sich entweder nicht selber artikulieren können (Tiere) und junge Menschen, deren Entwicklung zum mündigen selbstverantwortlichen Erwachsenen noch nicht vollzogen ist, müssen vor Übergriffen geschützt werden, soweit herrscht Konsens.

Es ist nun mal so, dass Menschen mit sexuellen Ausrichtungen, die Menschen, Tiere aber z.B. auch Tote missbrauchen, von der Gesellschaft nicht toleriert werden dürfen, ja geächtet und verfolgt werden müssen. Auf der Täterseite haben wir es mit Leuten zu tun, die sich Trieb gesteuert bewusst oder unbewusst in eine Lebenssituation bringen, die die jeweilige Ausrichtung begünstigt. Man kann salopp sagen, diese Täter bringen sich in eine Nischenposition. Dies hat weder mit Glauben noch mit 68er Freiheiten etwas gemein, sondern ist eine krankhafte Fixierung auf "verbotene Früchte". Das Krankhafte ist neben dem Objektbezug der Tatbestand der Ausbeutung. Einerseits sind die Opfer unmündig, wehrlos etc. und andererseits sind die Peiniger in einer Machtposition, somit muss also von einer Gewalttat ausgegangen werden.
Um nun den Ursachen bei Übergriffen von Priestern gegen Kinder auf die Spur zu kommen, mag es wenig dienlich sein, z.B. das Zölibat als alleinige Ursache hinzustellen, wie es gewisse Kritiker tun. Das Zölibat ist für einen Pädophilen im Grunde unbedeutend. Fehlt nämlich eine pädophile Präposition, so kann man die Faustregel "Gelegenheit macht Diebe" nicht unbedingt auf sexuelle Neigungen übertragen. Natürlich kann man diesen Sachverhalt auch nicht gänzlich negieren, da möglicherweise gewisse Analogien in Sachen Notlage zu temporären homosexuellen Praktiken heterosexueller Gefängnisinsassen bestehen. Aber auch hier dürfte bereits eine bisexuelle Komponente im Spiel sein?

Dass die katholische Sexuallehre zu dem Problem beiträgt, dass sie einer natürlichen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen diametral entgegen läuft, ist sattsam bekannt. Wenn diese Entwicklung dann noch im Pflichtzölibat des Priesteramtes endet, sind Tür und Tore weit offen für Abwege, denn der Sexualtrieb, dieses "göttliche Monster", frisst sich seinen Weg ins Tal wie das Regenwasser. Eine Sexualität, die sich nicht entwickeln konnte, bleibt schnell einmal in den Kinderschuhen stecken - mit anderen Worten sie sucht sich seinesgleichen. Erwachsen wird dann oft nur die Gewalt und diese umso mehr, je mehr die infantilen Verfehlungen ins Bewusstsein drängen. Der liebe Gott, eingesetzt von der Kirche als wachsames, omnipräsentes Auge, erzeugt das notwendige schlechte Gewissen, erzeugt Druck, Druck auf das Seelenheil der betroffenen Täter als auch Opfer. Es entsteht eine unheilige Allianz, welche beide in einem dunklen Abseits verbindet. Die Opfer sind oft lebenslänglich traumatisiert und durchgehen Therapien ohne Ende, während die Täter lediglich versetzt werden um andernorts von neuem ihr Unheil anzurichten.
Die Tränen des alten Ratzinger, vergossen in unendlich triste Welten misshandelter Kinderseelen, sind sinnloses Geflenne eines blutleeren Würdenträgers, dem zunehmend die Würde zur Bürde wird und der zur Lachnummer verkäme, wäre der Gegenstand nicht so bitter ernster Natur.
Ein actus fidei der dritten Art ist gefragt, ein Hieb mit dem Beil in die alte Eiche Moraltheologie. Finger weg Kirche von der Sexualität als Gegenstand des transzendentalen Terrors. Ein wenig mehr Naturglaube, ein wenig mehr Vertrauen in die Schöpfung ist angesagt. Luther hat diesen Schritt gemacht. Zitieren wir dazu doch den leibhaftigen Zorn Gottes, Uta Ranke-Heinemann:

…Bischof Andreas Laun aus Salzburg beispielsweise hat nun gefordert, man solle doch auch mal bei den evangelischen Christen nach Missbrauchsfällen suchen. Wörtlich sagte Bischof Laun am 9. März in der Sendung Menschen bei Maischberger: "Bei den Evangelischen, wenn man da mal reinschauen würde." Das ist nun wirklich der Gipfel der Unverfrorenheit. Die Reformation fand deshalb statt, weil Martin Luther, ein Priester und Mönch, eine Frau geheiratet hat. Evangelische Pfarrer sind bekanntlich nicht zur Ehelosigkeit verpflichtet. Deshalb hat die Evangelische Kirche keinesfalls die gleichen Probleme mit Pädophilie und Missbrauchsfällen wie die katholische.

Die Aufhebung des Zölibats sowie die Berufung von Frauen ins katholische Priesteramt würden sich aber sicher positiv auf die Statistiken priesterlicher Verfehlungen auswirken und wenn dieser Sachverhalt bewiesen wäre, würde ein einziger verhinderter Übergriff diesen Schritt rechtfertigen. Was den Glauben angeht, der Glaubenspegel würde massiv angehoben, denn Frauen sind ja bekannt für ihre emotionale Intelligenz, was immer das sein soll und eine Kontrollfunktion über die Männer würden sie alleweil ausüben. Offensichtlich scheuen das diese zarten Röcke tragenden Männlein wie der Teufel das Weihwasser.

Wenn Walter Mixa der übersexualisierten Gesellschaft den schwarzen Peter zuschiebt und dabei an 68 denkt, sollte er im Auge behalten, dass gerade das Geschäft mit der Sexualität kein Anliegen von 68 war, dies ist lediglich das Ansinnen von skrupellosen Zuhältern und Geschäftemachern. Längst hat die neoliberale Geldgeilheit das "All You need ist Love" der Beatgeneration dermassen zugemüllt, dass von 68 kaum noch etwas übrig ist. Aber die Konservativen decken ja in allen Ecken und Enden dieses Raubrittergebaren des Neoliberalismus, da sollen sie auch ehrlicherweise den Dreck auf sich nehmen, der dieses Treiben hochschwemmt. Was da aus Rom verlautet ist reine Männerbündelei und Waschweibergeschwätz und wird nie und nimmer aus einem pädophilen Jesuiten eine fromme Betschwester machen. Die Taube Sinnbild für den heiligen Geist? Nur weiter so meine Herren: "Gehn wir Tauben vergiften im Park".