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"Auschwitz beginnt da, wo jemand im Schlachthof steht und denkt, es sind ja nur Tiere." (Adorno)

14. November 2009


Präsident Bolar entlässt das Unwort “Human Ressources“

Andrea Curd Sauerberg

Mit sofortiger Wirkung hat Bolar eine Weisung erlassen, dass die HR Abteilungen (Personaldienste) der Sehnaher Verwaltung sowie aller zugeordneter Staatsbetriebe, den Anglizismus “Human Ressources“ aus ihrem Vokabular streichen müssen. Das alte Wort Personaldienst sei wieder einzuführen. Der Weisung gehen Diskussionen um die in Deutschland gekürten Unworte der Jahre 1999 und 2004, Menschenmaterial und Humankapital, sowie die Weigerung des Sehnaher Kulturministers, die Bezeichnung HR in seinem Ministerium einzuführen, voraus. In dem Schreiben von Bolar an die Ministerien und Direktionen heisst es:

Jeglicher Verdinglichung des Menschen durch faschistoide Bezeichnungen ist vehement entgegen zu treten. Die Angestellten der Republik sind Menschen wie z.B. der Papst in Rom, dieser ist auch nicht einfach eine Ressource des Katholizismus.

Im Personaldienst sind die Worte Personal und Dienst anwesend. Das Personal beinhaltet Personen, also Menschen mit ihren Menschenrechten und im Wort Dienst ist die Querschnittaufgabe, nämlich der Dienst am Kunden, den Personen angedacht.

Der Begriff Personal entspringt zwar dem feudalen Zeitalter, der Zeit wo man als Elite noch Personal im Haushalt beschäftigte, doch diese negativ Besetzung des Wortes ist durch die Emanzipation der Angestellten und deren Zusammenschlüsse in Personal Unionen, den Gewerkschaften aufgehoben. Das Wort Ressourcenplanung ist von der Weisung ausgenommen, doch soll man nicht vom Anteil Human Ressourcen sprechen, sondern von der Anzahl Personen die man einzusetzen gedenkt.

Das Wort Fachkraft ist ebenfalls unpersönlich, im Stadium der Planung sind die Stellen oder Positionen noch nicht mit Personen belegt, während HR sich auf alle Angestellten bezieht.

Die Gewerkschaften haben den Beschluss von Bolar mit Genugtuung gut geheissen. Kritik kam vom Präsidenten der Arbeitgebervereinigung. Fred Karl Laucher bezeichnete den Akt als typisch für Bolar, der in Zeiten der Krise nichts anders im Programm führe als mit seinen Betrieben semantischen Schabernack zu betreiben, anstelle die Steuern zu senken und den Gang aus der Misere voranzutreiben. Bolar liess verlauten, jetzt wisse er weshalb er mit dem Namen Laucher immer schon ein Problem hatte, Laucher reime sich bestens auf Maucher und Maucher sei der Vater des gehobenen semantischen Schabernacks. Der ehemalige Nestlé Direktor hatte seinerzeit das Wort “Wohlstandsmüll“ in Umlauf gebracht.


Einige Beispiele von “semantischem Schabernack“:

„Kriegs- und Menschenmaterial“: Adolf Hitler benutzte den Ausdruck mehrfach in seinem politischen Grundlagenwerk Mein Kampf.

http://www.unwortdesjahres.org/

Neben dem »Unwort des Jahres 1999« wählte die Jury auf der Grundlage der mehrjährigen Sammlung von Unwort-Vorschlägen und wortgeschichtlicher Untersuchungen mit dem Begriff »Menschenmaterial« auch das »Unwort des 20.Jahrhunderts«. »Menschenmaterial« ist zwar bereits im 19. Jahrhundert aufgekommen und spielt u.a. schon bei Karl Marx (1867) eine Rolle, hat aber im 20.Jahrhundert seine besonders zynische Bedeutung gewonnen, nicht zuletzt als Umschreibung von Menschen, die als Soldaten im 1. und 2. Weltkrieg »verbraucht« wurden. Dieser zeiten- und ideologienübergreifende Begriff steht exemplarisch für die weitgediehene Tendenz, Menschen nur noch nach ihrem »Materialwert« einzuschätzen. Er ist gleichsam der Vater für ebenfalls zynische Begriffe wie »Schüler-, Lehrer- oder Spielermaterial«, aber auch für Unwörter wie »Patienten-, Geburten- oder Häftlingsgut«. Das Medizinern immer noch geläufige Wort vom »Patientengut« wurde 1999 durch einen süddeutschen Klinikchef noch unterboten, der Todkranke gar als »morbides Patientenmaterial« umschrieb. Dem Ungeist, der solchen Wortschöpfungen zugrunde liegt, entsprechen denn auch zahlreiche andere Materialisierungen des Menschen wie »Biorohstoffe«, »Organgewinnung«, »weiche Ziele« (im Artilleristenjargon), »Humankapital« und »Bodyleasing« sowie die Abfallmetaphern »Belegschaftsaltlasten«, »Personalentsorgung« und »Wohlstandsmüll«.