<font size="1" color="#cc3a1e">Beispiel: Uhrzeit anzeigen</font>

23. Jan. 2008

Dezentrum, das Ende des Pratriarchats

In seinem neuen Buch verabschiedet K.C. Broom das Patriarchat. Dr. Anna Grazi von Berena News hat letzte Woche den Autor interviewt.

AFG: Täglich neue Rekorde in Sachen Managergehälter, und Sie wollen uns weismachen, dass das Patriarchat zu Ende ist. Ist das nicht etwas zu kurz gegriffen?

KCB: Sie haben natürlich recht mit Ihrer Feststellung, dass sich immer noch mehr Männer an der Spitze von Politik und Wirtschaft tummeln. Wenn Sie sich aber an unseren Gymnasien und Hochschulen umsehen, werden Sie ebenso feststellen, dass die Frauen stark im Vormarsch sind. Dies ist aber nicht das Kernproblem, auch Managerinnen gibt es und die bezahlen sich nicht schlechter.

AFG: Ihr Kollege Richard Sennett spricht von einer Überproduktion an hochqualifizierten Leuten. Der Bedarf an Managern ist logischerweise nicht so hoch. Der Arbeitsmarkt verlangt nach flexiblen Arbeitsbienen. Haben Sie nicht das Gefühl, dass da alles beim Alten bleibt?

KCB: Der Kapitalismus in Reinkultur löst sich zunehmend von traditionellen Geschlechterrollen hin zu einem “doing Gender“, einem Konstrukt, das in die Maschinerie des neuen Kapitalismus passt. Da sind in der Tat flexible Arbeitsbienen gefragt. Doch die Königin ist das System und nicht ein oder eine CEO. CEO's sind ebenfalls nur Handlanger.

AFG: Besteht nicht die Gefahr, dass so die Verantwortung auch verschwindet?

KCB: Verantwortung ist ein Wort, das im Vokabular der New Economie nicht vorkommt. Nehmen Sie als Beispiel Marcel Ospel von der Schweizer UBS, er nimmt nicht den Hut für das Hypothekendebakel in den USA, er sieht sich als Teil der Problemlösung.

AFG: Sie verwenden den Maschinenbegriff oft im Zusammenhang mit dem neuen Kapitalismus. Wie ist dieser zu verstehen?

KCB: Zunehmend als eine vom Humanen losgelöste Maschinerie. Das Erschreckende am posthumanen Zeitalter wird jedoch sein, dass es nicht menschenleer einher kommt. Die Globalisierung ist nicht nur wirtschaftlicher Natur, sondern auch kultureller. Das Netz und die Satelliten, angeschlossen an Rechenzentren, sind eine Megamaschine, die kein Mensch mehr durchschauen kann. Längst ist die Chimäre von Weizenbaum, der Zentralcomputer, welcher über sich selbst hinauswächst und dem die eigene Geschichtlichkeit abhanden gekommen ist, weil immer neue Generationen an ihm herumgebastelt haben, einem viel mächtigeren Albtraum gewichen. Wir haben es heute nicht mehr mit einer Zentrale zu tun, sondern mit der totalen Dezentrale. Die Dezentrale, oder das Dezentrum, wie ich es nenne, ist das totale Gegenteil von dem, was das Patriarchat ausgemacht hat. Im Patriarchat sass der Silberrücken im Zentrum der Macht. - Übrigens auch im Matriarchat, da sass der Superbusen der Venus von Willendorf im Zentrum. Er/sie zogen an den Fäden. Heute zieht an jeder Ecke etwas anderes und nicht zuletzt der geschlechtslose Virus, die kleinste Einheit im Dezentrum. Was einmal in diesem Labyrinth drin ist, bringen sie kaum mehr da heraus.

AFG: Das Netz könnte doch auch synonym für Verschwörung sein. Freimaurer und Illuminaten sind doch über das Netz auch leichter zu haben.

KCB: Sicher gibt es noch und noch Lobbys. Diese Interessengruppen sprechen sich auch gegenseitig ab und intrigieren was das Zeug hält. Aber die Praxis zeigt, dass das Misstrauen mit zunehmender Macht ebenso ansteigt, was jeglicher Geheimbündelei zuwider läuft und die Systeme korrumpiert.

AFG: Sie sind doch Mitglied der kapitalistischen Arbeiterpartei (KAS) von HUS und HUS spielt doch eine Diktatorenrolle mit Stierhörnern? Er ist doch das klassische Abbild eines Patriarchen.

KCB: Er spielt in der Tat den gehörnten Chef. Jemandem Hörner aufsetzen heisst ihn zu hintergehen. HUS sagt damit nur eines: "Wir alle werden dauernd hintergangen, warum besorgen wir das nicht selber!" Er sagt weiter, dass man uns alle grossen Erzählungen gestohlen und uns dafür den neuen Kapitalismus als letztes aller Gefühle zum Frass vorgeworfen habe. Nun sagt HUS nichts anderes als: “OK Leute, wir glauben euch. Her mit den Kohlen, wir wollen reiche Idioten werden, wir haben es satt, arme Idioten zu sein!“

AFG: Ist die KAS eigentlich eine Rechtspartei?

KCB: Rechts? Was ist rechts? Links/rechts ist out. Es gibt nur noch oben und unten und wer will schon unten sein? Die KAS ist eine klare nach-oben-Partei!

AFG: Zurück zum Patriarchat. Sie glauben also, dass die Mächtigen dieser Welt ausgespielt haben? Ist nicht der Rausschmiss des schwulen BP CEO ein Anzeichen dafür, dass das Patriarchat noch intakt ist? Die wollen doch nur "ganze Männer" im Club.

KCB: Zu der Geschichte des CEO von BP kann ich nichts sagen, scheint an mir vorbei gegangen zu sein, sorry. Zur Frage ob das Patriarchat noch intakt ist? Nein natürlich ist es das nicht. Sicher hat ein CEO wie Bill Gates oder ein Jo Ackermann etwas mehr zu sagen als der Durchschnitt, jedoch nur zum Preis der eigenen Lächerlichkeit.


AFG: Wie ist das zu verstehen?

KCB: Bei Gates sehen sie es ja, mit seiner Stiftung ist er auf Bolarkurs. Bolar hat ja bekanntlich einmal gesagt, es gebe eine Schallgrenze für Reichtum. Durchbricht man diese, so wird man der Lächerlichkeit preisgegeben. Mit anderen Worten, man wird zu einer Witzfigur. Es sei denn, man beginne im grossen Stil Geld "zurück" zu geben.

AFG: Ja aber jetzt vermischen Sie Reichtum und Macht.

KCB: Sie haben Recht. Natürlich ist Reichtum oft eine Folge von Macht oder umgekehrt. Aber sehen Sie, nehmen Sie das Gegenteil von Bolar, den ehemaligen Schweizer Bundesrat Christoph Blocher und vormaligen Chef und Besitzer der Ems-Chemie, ein Milliardär wie einst Bolar. Mit seiner Partei kämpft er gegen hohe Steuern und kommt damit beim Volk gut an. Natürlich, das Volk spürt schliesslich diesen finanziellen Stich ganz direkt im Bauch. Es gibt aber eine Reichtums-Schallgrenze, wo man weder im Bauch noch sonst wo etwas spürt und wo man ohne einen grossen Mitarbeiterstab gar nicht mehr wissen kann, was man denn eigentlich besitzt, ergo man denn spüren müsste, wenn man was davon abgeben muss. Hier meint Bolar, beginne die Lächerlichkeit und der Missbrauch der Macht. Die Meinungen ihrer Mitläufer sind nichts anderes als gekaufte Meinungen, dies sehen Sie den Figuren die sich um Leute wie diesen Blocher scharen, leicht an.

AFG: Gekauft mit Geld?

KCB: Nein nicht unbedingt. Die meisten Leute sind schon stolz, wenn sie so einen Superreichen persönlich kennen, egal wie bescheuert er ist. Traurig ist, dass viele arme Leute solchen Populisten Glauben schenken. Es ist dasselbe Lied wie bei den Sekten. Je einfacher eine Botschaft ist, umso leichter wird sie geglaubt. Die Vorstellung des Paradieses von Adam und Eva ist schliesslich auch einfacher zu verstehen als die Plankzeit.

AFG: Aber auch Blocher ist doch ein Patriarch. Und wie sie eben geschildert haben, das Patriarchat funktioniert doch noch bestens. Wenn sie sehen, wie seine Partei mit den Frauen umgeht, da sind Muslime ja beinahe noch fortschrittlicher.

KCB: Wenn ich mich daran erinnere, dass ich als Kind eine Bäuerin oder eine Marktfrau mit Kopftuch gezeichnet habe, dann kommt das für die 50er Jahre des letzten Jahrhunderts hin. Der Geist leuchtet nach, auch wenn dieses Kopftuch heute verschwunden ist.
Die Patriarchen sind schon noch da. Etwa so, wie sie ab und zu auch noch einen alten Volvo auf der Strasse antreffen, unverwüstlich und aus einer anderen Zeit. Das ist aber nicht der Kerngedanke des Endes des Patriarchats. Dieser beruht wie schon gesagt auf dem Maschinencharakter der neuen globalen Systeme. Wenn Sie als Subjekt ein Auto lenken, dann haben Sie es in der Hand vernünftig zu fahren. Sie halten den gebotenen Abstand ein und können im Notfall bremsen. Nehmen Sie nun als Beispiel die Klimaerwärmung. Sie steht diametral zu den Interessen der Autoindustrie und anderen Interessegemeinschaften. Sie ist letztendlich gegen uns alle. Wie reagieren wir? Oh, vielleicht fühlen Sie sich nicht angesprochen, sind vernünftig und umweltbewusst. Noch bis vor kurzem habe ich den Hut gezogen vor der italienischen und französischen Autoindustrie. Aber im Hohngelächter deutscher Autojournalisten, welche da schrieben, die beiden Länder hätten den Anschluss verpasst, beginnen nun auch diese mit der Produktion von unsinnigen riesen Autos. Gut, mit grossen Autos brauchen Sie nicht mehr zu bremsen, sie können die kleinen einfach platt fahren. Vielleicht haben die französischen und italienischen Automanager zuerst gedacht, das ist doch hirnrissig, solch unförmige Bauernkübel zu

produzieren, so völlig am Zeitgeist vorbei, kaum zu parkieren die Dinger. Völlig falsch. Der Motor dieser Maschinerie ist der Markt. Es ist, als wollten diese Manager mit einem Supertanker eine Vollbremse machen. So wird es uns mit der ganzen Klimageschichte ergehen. Wenn eines Tages die letzten Patriarchen merken, dass es in Sachen Klima auch an ihr Eingemachtes geht, dann wird ihnen ihr Trommeln auf die Primatenbrust auch nicht mehr helfen. Ein weiteres Indiz dafür, dass sie nur mehr Pappkameraden sind.

AFG: Eine Trotzreaktion hat es dennoch gegeben. Fiat hat den 500er wieder in das Sortiment aufgenommen. Sie sprachen die Rolle der deutschen Autojournalisten an. Was spielen die Medien für eine Rolle?

KCB: Nun die Medien sind einerseits die Medien-Technologie und andererseits die Medienunternehmen und drittens eine unendliche Ansammlung von privaten Meinungen im Netz. Das Mediengeschäft ist ein Megamarkt. Ich selber glaube, dass das Fernsehen den grössten Machtanteil hat. Das Fernsehen ist ein höchst perfides Medium. Es funktioniert gleich dumm wie die Autoindustrie. Es betreibt Inzucht und produziert geistige Schadstoffe.

AFG: Sie sprechen die Werbung an?

KCB: Nun Werbeblöcke sind in einem Film seit eh ein Ärgernis. Zur Strafe für den Filmunterbruch sollten im Grunde gerade diese Produkte nicht konsumiert werden. Aber längst ist der Werbeblock nicht mehr das einzige Ärgernis des TV-Konsumenten. Das Product Placement in Spielfilmen ist viel subtiler. Im TV ist das Wetter von Modefritzen gesponsert, die Tagesschau von einer Ladenkette, der Sport von der Autoindustrie und die Wissenschaft von den Pharma Multis und was die Medien angeht, gehören diese Politikern wie Berlusconi oder solchen die es werden möchten. Diese Verflechtungen erlauben kaum mehr eine unabhängige Berichterstattung. Kommt hinzu, dass die Zuseher selber via Quotenmessung das Niveau des Dargebotenen herunterschrauben. Das Niveau des Fernsehens ist die beste Pisastudie.

AFG: Das klingt aber eher nach der Diktatur der Proleten.

KCB: Nun es mag elitär klingen, aber seit der Liberalisierung des Fernsehens haben sich die öffentlich rechtlichen Anstalten den privaten angeglichen und der öffentliche Auftrag erschöpft sich häufig neben dem Sport in Koch-, Quiz-, Klamauksendungen sowie den Serien, die auch die privaten Sender zeigen. Dazwischen die immergleichen Spielfilme. Extrem peinlich sind all die eingeschobenen Zuseherquiz mit Fragen wie: Welches Tier ist grösser, ein Elefant oder eine Maus? In fast jedem Format kann man anrufen, oder ein SMS mit der "richtigen Antwort " senden. Die kosten natürlich etwas und die Telefonbranche teilt sich den Gewinn, den Elefantenanteil, mit der TV-Anstalt.

AFG: Früher hiess es immer die Medien seien links. Hat sich dies gewandelt?

KCB: Die Medien haben oft linke Inhalte verkauft, weil der Zeitgeist danach verlangte, mit anderen Worten, viele Medienkonsumenten für Obrigkeitsschelten empfänglich waren. Ein guter Kapitalist verkauft auch heute noch Marx und Engels, wenn es eine Nachfrage gibt. Heute weiss ein Journalist aber, dass sein gerade noch linksliberales Blatt schon Morgen an die andere Seite verkauft werden kann. Die Redakteure sind sicher vorsichtiger geworden mit eigener Kritik. Sie machen es wie Sie, sie schieben Leute wie mich vor.

AFG: Ich schiebe Sie nicht vor, ich finde einiges richtig was Sie sagen, anderes gelinde gesagt gehobelten Käse. Es ist aber Ihr Recht, sich zu Ihrem Buch zu äussern und meine Meinung steht hier nicht zur Diskussion.

KCB: Das ist doch praktisch.

AFG: OK, ich als Frau bin absolut nicht der Meinung, dass das Patriarchat zu Ende ist. Ich bin im Gegensatz zu Ihnen der Meinung, dass all die Maschinerien, die wir auf dieser Erde vorfinden grösstenteils reine Junggesellenmaschinen sind. Selber finde ich Managerinnen, die diesem System dienen nicht weniger zum Kotzen als ihre nadelgestreiften Pendants. Ich finde weder den Mister Universum notwendig, noch die Miss World und all ihre subalternen Provinzkaschperl und ich weiss in etwa, was mit der Plankzeit gemeint ist. Mit Ihnen finde ich das Fernsehen eine Trivialanstalt für Kleinklässler und es ist mir völlig Wurst, ob ich meinen Job bei Berena News verliere, wenn ich mich so direkt äussere. Ich bin wohlhabend von Haus aus und bin auf diese Arbeit nicht zwingend angewiesen. Die Freiheit lasse ich mir also noch etwas kosten wie Sie sehen.

KCB: Dann sind Sie sicher auch in der KAS?

AFG: Nein, ich bin parteilos reich! Möchten Sie das Interview mit mir fortsetzen oder soll ich wieder Sie interviewen?

KCB: War ganz nett, aber fahren Sie nur fort. – Übrigens, was Sie da in Sachen Junggesellenmaschinen gesagt haben ist nicht falsch und wenn Sie mein Buch gelesen haben, erinnern Sie sich sicher an die These, dass männliche Kreativität eine Ersatzhandlung für die fehlende Gebärfähigkeit darstellen könnte.

AFG: Ja daran erinnere ich mich und ich finde diese These nicht sonderlich originell, da ich mir einerseits die Vorstellung eines gebärenden Jammerlappens ersparen möchte, andererseits auch auf jegliche Ersatzhandlungen verzichten kann. Aber wenn Sie schon dieses Thema anschneiden, was ist mit der Kunst in diesem post-patriarchalen System?

KCB: Ich glaube nicht an die Kunst.

AFG: Was soll denn das wieder heissen?

KCB: Nun, an die Kunst als Retterin in der Not hat etwa noch die Julia Kristeva geglaubt. Kunst als Katharsis so zu sagen, die in einem sakralen Raum stattfindet. Der Rezipient, am Händchen geführt vom Kunstkritiker oder der Museumspädagogin. Diese haben die Bedingung herzustellen, dass allen klar werde, durch vermittelnde und popularisierende Anstrengung der Kritik, hierbei handle es sich um echte Erfahrung und nicht um den vom Werke herleuchtenden Warenfetisch.

AFG: Schön gesagt. Wenn ich Sie richtig verstanden habe, leuchtet der Warenfetisch dann doch durch, wider alle Anstrengung des Fachpersonals.

KCB: Der leuchtet nicht nur durch, der strahlt wie ein ausgebrannter Brennstab eines KKW's.

AFG: Was für eine Energie verursacht denn diese Strahlung?

KCB: Der monetäre Wert des Kunstwerkes. Je wertvoller das Werk ist, umso mehr strahlt es. - Wieso? - Wir leben in einem System, in dem alles seinen Preis hat, auch die Erfahrung. Wo kämen wir denn hin, wenn Erfahrungen gratis zu haben wären.

AFG: Das Patriarchat sagt ja nicht mehr und nicht weniger aus, als dass Männer in fast allen Belangen menschlicher Beziehungen mehrheitlich das Sagen haben.

KCB: Sie sagen es, “das Sagen haben“. Wenn es aber nichts mehr zu sagen gibt, wenn alles vorgesagt ist, die Männer (und auch Frauen) es nur nachplappern, was dann?

Man wird für jeden Chinesen ein Auto bauen und die Deutschen wollen nach wie vor kein Volk von Kleinwagenfahrern sein. Man wird wieder Kernkraftwerke bauen, auch wenn man das Abfallproblem nicht lösen kann. Man wird weiter die Wale und andere Viecher ausrotten usw. usw. und dieses man, dieses sächliche man, das gewisse Sprachfeminatikerinnen in ein frau umgemünzt haben wollten, ohne zu wissen, was sie sich da antun, dieses sächliche man ist das Maschinenmonsterman, das "man fickt sich selber ins Knie man". Würde Thomas Paine heute noch leben, sein Pamphlet hiesse "Tthe common nonsense".

AFG: Netter Schluss, ich bedanke mich.