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Soll ich rasch mal die Welt ändern?
Peter Lehner

a-sos-06 Literatur

Gesprochen wird der am 23.12.1987 in Bern verstorbenen Schweizer Lyriker, Wortsportler und Zerzähler Peter Lehner.

Lehner war einer der entschiedensten Polit-Autoren der modernen schweizerischen Literatur des 20. Jahrhunderts. Dieter Fringeli schrieb damals in den Basler Nachrichten: Er wendet sich mit bedächtiger Vehemenz gegen pseudopatriotische Gedankenlosigkeiten und pseudodemokratischen Leerlauf, gegen “gagagartenlaube“, “lalalandeshymne“ und “blablablasmusik“ - ein Unternehmen, das ihm bis anhin nicht nur freundliche Stimmen eingebracht hat. (…).

Lehner hat auf seine Zeit reagiert, wenig hat er geschrieben, wenig ist geblieben.

Der Wortsport hat ihn überlebt in der Werbung. In der Zerzählung “WAS IST DAS“, dem einzigen längeren Text Lehners, erfahren wir den Autor als Werbetexter. Engagement wird zum Vorwurf, sagt der Texter, der an Leseabenden als Autor immer wieder den Anfang seines unvollendeten Romans zum Besten gibt. Die Prosa Lehners bleibt bewusst unvollendet. Antiliteratur, so die Berner Zeitung, “der Bund“ zum Buch „WAS ist DAS“. Wird sein Nachlass dereinst ins Antiliteraturarchiv der Schweiz aufgenommen?

Lehners Werk, das meiste ist bei Lenos erschienen

Die Bierzeitung druckt, was die BüZ unterdrückt. (BüZ = Bürgerliche Zeitungen)

tema th

auf veränderung aus/ soll ich mutvoll/ das zwecklose h/ weglassen/ auf die gefahr hin/ dass frau professor/ genüsslich die nase/ rümpft der banause/ am besten ich möble/ das mal zum tema/ nummer1 auf.

tema chemie, tema kernenergie, bombe und co., tema gott und die seinen, tema krieg und krieger, tema tema.

ich frage mich kind
soll ich dir das fell bleuen
damit es dick wird
soll ich dir den bückling beibringen
und mach schön männchen
und duck dich
damit du später als mann
deinen mann stellst oder
soll ich rasch mal die welt ändern

Lehner wusste wie keiner um:

ein bisschen miss im kredit
eine spur dis in der sonanz
ein wenig ab in der art
ein sprutz im in der potenz
ein gran un in den sinn
ein bier in den ernst
eine idee schnaps

Und wenn es um gott und die seinen geht:

verlacht
verachtet
umgebracht
zum gott gemacht
und verpachtet
an machthaber

oder:

bergprediger
heruntergekommen
ins flachland
feldprediger

alltag:

längs die kolonne
hinten hupt einer
quer die zollschranke
vorne hupt keiner

wortsport:

gagagartenlaube
blablablasmusik


wie macht man eine:

lalalandeshymne

man nehme
eine gut mit gott durchzogene
wenn möglich heimische urgrossente
3 dolchspitzen hauswurz
ein vollgerüttelt mass schmalz
zu schaum geschlagen
und gebe das ganze
durch den wolf eines männerchors


lyrik
schnaps der literatur
verzeihung die dame
likör

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gewiss
ab und zu mal
möchte auch ich
ganz schlicht erzählen
wie das so ist wenn man ein
schwert in die scheide steckt
einen kaktus setzt
eine maid küsst bei mondschein
aber ich mag eben den
leser nicht der
das mag

wir:

seit wir vom herde der götter
das feuer gestohlen
sind wir betört von den flammen
vom rauche berauscht
getrieben zu immer grösseren bränden
werkzeug im sold der erkalteten erde
vorgespannt ihrem willen
wieder sonne zu sein

liebe:

abwege verpönte
schlaglöcher
wer hier entlang fährt
lust- oder liebehalber
findet gewiss noch
ein rostbüchsenfreies gebüsch

ehe auch wir
liebe kaufen wie schlaf
in form von tabletten
möcht ich mit dir
hand in hand hinauswandern in den wald
auf moos uns zu betten
wie vormals

das schöne:

möchte wieder einmal
das schöne wahr finden
im schatten antiker haine
im widerscheine des weissen marmors
fern der ernüchterung
vierzehn tage
länger nicht

politik:

wenn wotan
zum segen mammons
die mutter gottes fickt

gibts faschisten

leben:

leben reduziert
durch sachzwänge
zur absehbaren folge von
hintersichbringungen
der unweg querfeldein
versperrt durch elektrische
viehzäune zugegeben
darüber kann man
hinwegkommen oder
unten durch


alter:

was mit dem alter verloren geht
erlebbarkeit: da werde ich nicht mehr dabei sein
anwesenheit: das mag ich nicht mehr mitmachen
und gebe mich den genüssen des nichtmehrmüssens hin,
male mir liegend die vorgänge aus, die ohne das mühsame
herumhangen meinesleibs über die bühne gehen: treffen
lesungen vernissagen feiern feste. langsam steige ich aus.