<font size="1" color="#cc3a1e">Beispiel: Uhrzeit anzeigen</font>
Die Versatzstücke der "echten Outlaw's"
Istituto Svizzero di Roma
Bakunin


Der Sehnaher Kulturminister Jan Salder schlägt dem Parlament ein neues Kunstgesetz vor.

Staatlich subventionierte Events geben immer wieder zu Streitereien Anlass. Ein Gesetz soll nun Klarheit schaffen, wieweit der Staat kritische Werke subventionieren/fördern darf. Kulturschaffende stehen der Angelegenheit kritisch gegenüber und verweisen auf den Sport. So verstehen denn Fussballmuffel auch nicht, weshalb der Staat für Sicherheitsvorkehrungen bei Fussballmatchs aufkommen soll. Andere verstehen nicht, dass das Ticket in die Oper mit gegen 300.- HUS subventioniert werden muss usw. Aber die Königsdisziplin im erzeugen von Volkszorn ist die “freie“ Kunst. Hier wird immer wieder gerne mit Werken provoziert, die der Steuerzahler ungefragt zu berappen hat. So liess doch 2004 in Paris der Künstler Hirschhorn einen Schauspieler, der einen Hund zu spielen hatte, ein Bild des Schweizer Magistraten Blocher anpinkeln. Blocher, seines Zeichens kein so schlechter Steuerzahler, hatte sich für einmal gar nicht aufgeregt, fand das Kunswerk einfach schlecht. Seine Partei und andere bürgerliche Politiker aber haben dann als Strafaktion der verantwortlichen Kulturstiftung Pro Helvetia eine Million aus dem Budget gestrichen. Erneut ist die kleine Schweiz für einen Lacher gut. Im Istituto Svizzero di Roma werden zur Zeit 38 Italiener und Schweizer Kunstschaffende ausgestellt. Ein Werk bereitete jedoch Kummer, die Anarchofahne von Costa Vece. Vece wollte sie am Turm des Gebäudes aufgehängt sehen. Der Turm des Instituts ist zweithöchster Punkt neben dem Petersdom und für Prof. Dr. Christoph Riedweg ist dieser Ort zu exponiert. Das Werk sehe so naturalistisch/realistisch aus, dass man eine echte Hausbesetzung vermuten könnte.

Was immer "man" vermutet. - Sicher ist, und das sagt auch Riedweg, man hat noch die Strafaktion des Parlaments im Nacken. Diese sei aber sekundär neben den inhaltlichen Kriterien.

Quatsch, inhaltliche Kriterien.

Entweder man stellt einen Künstler aus oder man lässt es bleiben. Künstler sollen auch schlechte Werke zeigen dürfen, analog Fussballers Eigentor.

Kunsthistoriker und Galerist Bertheim liess zu dem jüngsten Vorfall verlauten: “Die Berechenbarkeit eines Kunstskandals ist heute und erst recht in unserer freien Welt umgekehrt proportional der Qualität eines Werkes.“ Auch wenn sich Frau Karin Frei, Kuratorin der Ausstellung in Rom, erstaunt gibt über die Reaktion von Riedweg, muss man hier ein gerüttelt Mass an fortgeschrittener Naivität feststellen. Das Fähnchen ist doch von Kopf bis Fuss auf Zoff eingestellt und sonst gar nichts.

Die Frage, ob die Utopie einer herrschaftsfreien Gesellschaft mit diesem Akt der Zensur zu Grabe getragen wurde, kann man verneinen. Die Fahne hängt immer mal wieder an einer Hütte. Künstler die Trittbrett fahren auf den Versatzstücken der “echten Outlaw’s“; der Hausbesetzer, der Sprayer und der Chaoten, sind billige Salonhuren, die nichts als eine kesse Lippe riskierten, so Bertheim. Das Gesetz, welches dem Sehnaher Parlament vorliegt, soll staatlich geförderten Aktionen der freien Kunst innerhalb eines gesetzlichen Rahmens Carte blanche geben. Umgekehrte Helikopter, Umgang mit Herrschaftszeichen wie der Sehnaher Fahne, temporäres Aufhängen der Anarcho- oder der Seeräuberfahne am oder auf dem Präsidentenpalast wären demnach erlaubt. Gestritten wird noch um den “Pinkelparagrafen“ im Bereich öffentlicher Personen.

Präsident Bolar gibt zu bedenken, dass das Gesetz nur ein Durchlauferhitzer oder besser eine Kühlschlange sei, welche solche Kunstwerke ad absurdum führen würde. Das Gesetz komme ihm ein wenig vor wie ein Robinsonspielplatz und viele Künstler trügen heute ganz einfach einen falschen Bart. Zum Volk sprach Bolar: “Wer bei solchem Kunstgebaren auf beleidigt macht oder sich gar als Staatsschützer aufspielt, giesst nur unnötig Öl ins Feuer. In der heutigen Zeit stellt die Aufmerksamkeitsökonomie einen jeden Unternehmer, und Künstler sind nun mal beinahe selbstständig Erwerbende, vor eine grosse Herausforderung. Es handelt sich im Grunde gar nicht um Kunstskandale. Bürger, die solche Akte als Sado-Maso Kiste betiteln und die nicht bereit sind, sich den Tritt in den eigenen Hintern auch noch selber zu finanzieren, verstehe ich im Grunde sehr gut." -

Präsident Bolar für mehr Toleranz

Bolar rief aber auch zu mehr Toleranz auf. Kabarettisten und Künstler, die mit Satire und andern Mitteln uns Bürgern den Spiegel vorhielten, seien wichtig für eine offene Gesellschaft. Im Unterschied zum Hofnarren beklagte er jedoch die Humorlosigkeit auf beiden Seiten. Mit welch lächerlich betroffenem Pathos die Herren Vece und Hirschhorn über ihre gebeutelten Arbeiten sprachen, sei ebenso unerträglich wie das Gezetter der Heimatschützer. Da gelobe er sich den Sehnaher Rudi Schütz. Dieser teile aus und stecke ein wie es gerade komme. Berühmt ist der Satz von Schütz: “Sie müssen wissen, meine Damen und Herren, Kunst ist eine ernste Angelegenheit.“ Dazu bohrte er in der Nase.