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5. August 2015

Die totale Demokratie

K.C. Broom

Bereits im Jahr 2013 sagte der Vorstandsvorsitzende von Google, Eric Schmidt, vorher, es werde innerhalb von fünf Jahren allen Menschen weltweit möglich sein, Zugang zum Internet zu erhalten. In zehn Jahren werden nach Ansicht des Internetpioniers David Hughes die Menschen virtuelle Staaten gründen, die sich nicht mehr territorial, sondern nach gemeinsamen Interessen definieren. Die amerikanische Professorin Nicole Ellison wird mit der Erwartung zitiert, dass sich die Menschen aufgrund der zunehmenden Vernetzung auch die weltweit sehr unterschiedlich verteilten Chancen auf ein gutes Leben stärker bewusst machen werden, was die meisten als eine nicht hinnehmbare Ungerechtigkeit empfinden werden. In fünfzehn Jahren erwartet der amerikanische Blogger George Dvorski gar die Anbindung des Weltraums an das irdische Internet. (Blog Thomas F. Reis)

Im letzten Jahr wurde Eric Schmidt von Bundeskanzlerin Merkel und Sigmar Gabriel empfangen wie ein Staatsoberhaupt. Da Google alle Interessen bedient muss man sich die Frage stellen, ob Schmidt gar eine Art Weltpräsident ist. Der Sportstaat FIFA ist bereits ein globales Interessengebildeund dessen Oberhaupt Sepp Blatter wird von Präsident Putin ebenso empfangen, wie Schmidt in Deutschland. Der eine ist zwar ein mittlerweilen territorial etwas beschränkter Seppli wie wir alle wissen, der andere jedoch durchaus ernst zu nehmen. Brot und Spiele ist zwar vor Glanz und Gloria immer noch die Verblödungskutsche N°1, mit Sport schlägt man locker jegliches politisches Bewusstsein tot, das sieht man bestens an den unsensiblen und nicht selten korrumpierten Vergaben von Austragungs- oder sollte man besser sagen Austreibungsorten.

Hughes und die seinen propagieren das Ende des Nationalstaates und begraben in einem Aufwasch auch gleich die Demokratie, jene veraltete Staatsform aus früher Vorzeit. Denn was war vor dem Smartphone? Die Römer und Griechen wahrscheinlich.

Big Data ist das harmlose Schlagwort, das zwischen einem BigMac und einer fettigen,übersalzenen Fritte mit Ketsch Platz hat. Erich Fromm hat einmal in seinem wohl längst vergessenen Buch "Haben oder Sein" geschrieben:

"...Natürlich werden sich die grossen Industrien mit allen Mitteln gegen eine (soziale) Veränderung zur Wehr setzen, und es ist viel wahrscheinlicher, dass wir zu einer neuen Art von Faschismus kommen - ich nenne ihn Faschismus mit lachendem Gesicht - zu einem Faschismus, der mehr auf Manipulation als auf äusserlicher Gewalt beruht. Die westliche Festung... kann durch Terror, Sabotage und viele andere Akte zerstört oder schwer beschädigt werden und plötzlich nicht mehr funktionieren."

Fromm hat diese Zeilen geschrieben, als das Internet noch in weiter Ferne lag. Er wurde als Fundamentalist kritisiert und verschrien. Somit war er einer Kassandra näher als den Propheten des Alten Testaments. Das Perfide an einem Faschismus mit lächelndem Gesicht ist, dass man ihm ebenfalls mit freundlichem Lächeln begegnet. Was ist gegen eine totale Demokratie zu sagen, die uns unsere Wünsche von den Lippen abliest? Ja wir werden observiert, das wissen wir, damit man, wer immer man ist, weiss, was wir zu konsumieren wünschen, wie wir uns verhalten, damit man uns ins Konsum- und Risikoschema einordnen kann. Sport und Rauchen geht da für einmal Hand in Hand. Wir, das sind wir, und nicht jene, die aus der Reihe tanzen. Wir sind die Masse! Wir sind harmoniebedürftig, dagegen ist doch nichts einzuwenden oder? Wir marschieren nicht im Stechschritt totalitärer Systeme vor unseren Führern, ob Hitler oder Stalin, ob Mao oder Franco, hin und her; wir schlendern durch die shopping mall, locker und beschwingt. Wir sind total frei! Wir stören uns nicht, wenn wir am Handy von beliebigen social Firewalls in der Warteschlange abgestellt werden um nach ewigem Warten, wenn es hoch kommt, von einer kompetenzarmen Callcenter-Stimme für blöd verkauft zu werden. Das hat System im Gelächter des neuen Rautetasten-Faschismus, so kann man blöde Motzer ausschalten, die reklamieren wollen, weil die Rechnung doppelt gestellt wurde. Das ist der Genozid am einstigen Mensch zu Mensch Kontakt. Schmerzlos werden wir eingelullt von einem Midi -Geplärre kleiner Nachtmusiken, und so voneinander fern gehalten. Wie wurde das früher genannt? Nein Selektion dürfen wir es nicht nennen, das Wort ist vom Grauen besetzt. Separation vielleicht?

Man, wer immer man ist, hat gemerkt, dass der Mensch auf Goodies hereinfällt. Ich habe es lange nicht wahrhaben wollen, bis Bekannte von mir einen kleinen Hund angeschafft hatten. Damit der schön Pfötchen gibt, muss man mit sogenannten Goodies arbeiten. So blöd sind Viecher eben hab ich zuerst abschätzig gedacht. Da wir aber ebenfalls Viecher sind, ob wir dies nun wahrhaben wollen oder nicht, fallen auch wir auf Goodies herein. Denn man, wer immer man ist, wird nie und nimmer einen solchen Apparat lostreten, wenn er sich nicht rechnet. Was früher die Rabattmarke war, die ältere Jahrgänge unter uns noch mit nasser Zunge abgeleckt und ins Album geklebt hatten (1950 er Jahre), ist heute ein Barcode der über die Smart Card alle Informationen an Big Data abliefert, ganz ohne Spucke. Damit weiss man, wer immer man ist, gerade was ich so alles im Warenkorb eingesammelt habe. Nun kann ich nur hoffen, dass alle anderen dasselbe Zeug kaufen und gut finden, sonst wird es aus den Regalen verschwinden. Die Regale werden so zu sogenannten Egalen. Wir, entschuldigen Sie, dass ich momentan gerade unsicher geworden bin, wer WIR sind, aber lassen sie uns doch diesen alten Plural des personal Pronomen WIR weiter unbedarft verwenden, als wäre nichts geschehen, wir werden also den Egalen künftig einfach das entnehmen, was sie uns anbieten. So schlecht kann es ja nicht sein, wenn die Mehrheit das so gewollt hat. Nein? Motzen? Nein, was haben denn Sie für ein Demokratieverständnis?

Virtuelle Staaten? Die Zukunft, so die Apologeten der neuen Welt, sprechen von virtuellen Staaten, regiert von Daddy Big Data DBD. Noch wissen wir nicht wer DBD ist. Wir sollen uns auch kein Bildnis von DBD machen. Da kommt mir unweigerlich die SVP in den Sinn. Die sind so etwas von hinter dem Mond. Die beissen sich an Blut und Boden fest, und kämpfen verbissen gegen eine EU, ein Staatengebilde aus antiquierten Nationalstaaten, dessen Bürger nur noch blöd auf dem herum stehen, was früher Territorium genannt wurde. Territorium kommt von Terra, Erde. Das ist die Kugel, die gerade noch den Platz für Serverfarmen, Clouds und andere staatenbildende Insektoide hergibt. Nein, man wer immer man ist, ist da längst viel weiter. Man, wer immer man ist, hat längst gemerkt, dass der Faschismus mit dem lächelnden Gesicht, nicht auf Rütliwiesen zu gewinnen ist. Es ist zwar verständlich, dass das Volk, das ist jene Scheinhorde, die sich am Morgen im Spiegel als Masse identifiziert, noch glaubt, eines Tages wieder im Stechschritt marschieren zu dürfen. Denen sagt der Prophet des DBDEric Schmidt:„Schaut einfach, dass ihr nicht das grosse Zittern kriegt, sonst könnt ihr eure Maus nicht mehr bedienen und ihr werden vom neuen Weltstaat einfach verschluckt. Informatiker der Welt vereinigt euch!“