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Vitus Huonder oder die faulen Früchte der Sakramente

Andrea Curd Sauerberg

Der Churer Bischof Vitus Huonder will wiederverheiratete Geschiedene von den Sakramenten ausschliessen. Die Ehe sei unauflöslich schreibt er in seinem Hirtenbrief. Damit entfernt er sich noch stärker von seiner Kirchenbasis.

Die Geschiedenen will Vitus Huonder nicht diskriminieren, so sein Sprecher. Einen Haken hat diese bittere Hauspostille für Katholen jedoch schon. Die Ausnahme gilt nur für diejenigen, die fortan das andere Geschlecht meiden und sich nicht wieder verheiraten. Scheiden und ab ins Kloster Einsiedeln, ist wohl die Devise für Ehebrecher. Wer es nach der Scheidung in freier Wildbahn treibt, darf weiterhin Hostien verköstigen, sofern er sein Sexualleben mit dem örtlichen Pastor teilt, im Beichtstuhl wohlverstanden.

Doch wo liegt das Problem? Ungern erinnere ich mich an meine Militärdienstzeit. Im Gefechtsschiessen auf die Mannscheibe haben die Offiziere denjenigen die Skrupel hatten auf Menschen zu schiessen den sinnigen Rat erteilt, das Ganze doch von der sportlichen Seite zu nehmen und sich eine Rundscheibe vorzustellen. Ebenso könnte man das Eheversprechen vor Gott in der Kirche, denn ganz in weiss und mit Trara muss ja geheiratet werden, von der sportlichen Seite sehen. Der Folklore muss Genüge getan werden und dazu gehört nun mal der Gang vor Gott in seinem Hause. Sakramente wie Beichte und Ehe gehören zu den sieben Mysterien. Als Sakrament bezeichnet man in der christlichen Theologie einen Ritus, der als sichtbares Zeichen beziehungsweise als sichtbare Handlung eine unsichtbare Wirklichkeit Gottes bewirkt, sie vergegenwärtigt und an ihr Anteil nimmt.

Dass nun der Zölibatär Huonder den sportlichen Umgang mit dem Versprechen an Gott nicht goutiert, verwehrt er sich doch selber dem Genuss fleischlicher Lust, kasteit sich aus freien Stücken, damit er sich unbeirrt voll und ganz der Seelsorge hingeben kann, ist uns nur allzu gut verständlich.

Die Kirche, geboren aus der Christenverfolgung, hervorgekrochen aus dem Machtsystem eines untergehenden römischen Reiches, trägt bis zum heutigen Tage die Insignien von Macht und Unterdrückung unter dem Deckmantel der Nächstenliebe. Der Gekreuzigte muss täglich von neuem hin und herhalten für alles und jedes, obschon gerade er es war, der Verständnis vorlebte für die Fehlentscheide der Menschen. Er, Jesus Christus hat den alten Donnergott Jahwe relativiert und in ein anderes Licht gerückt. Der liebende Gott war doch im Grunde seine Erfindung, er hat den Auge um Auge, Zahn um Zahn Gott abgelöst.

Was steckt hinter einem solchen Hirtenbrief, anders gefragt, was ist falsch an einem solchen Hirtenbrief?

Vielleicht ist die beste Antwort die, dass er besser nicht geschrieben worden wäre. Vielleicht ist er nur eine unbedarfte Dummheit eines akademisch verblendeten Mannes, der sich aus Eitelkeit meilenweit von der Seelsorge entfernt hat, denn ein wahrer Seelsorger verlässt seine Gemeinde nicht um Macht und Ansehen Willen. Er bleibt ein Dorfpfarrer, der wie Jesus nahe bei den Leuten lebt. Wer im Bischofstand herumirrt, disqualifiziert sich selber vor dem Herrn. Wer sich einen güldnen Ring küssen lässt, der sollte über die Bücher gehen über die er selber gestolpert ist. Vielleicht würde er dann das heilige Versprechen von frisch Verliebten nicht mehr so streng werten. Wer indes den Mut hat, sich aus den Klauen dieses Verblendungssystems zu befreien, dem wünsche ich guten Mut und Gottes Segen. Im Zweifel greifen sie zu einer Flasche Champus und einem Sack Paprika Pommes-Chips, anstelle der geschmacklosen Hostie.


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