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20. März 2010

Letters to the Virgin Mary


 
Liebe Jungfrau Maria /
Dear Virgin Mary

Der Papst sendet einen Hirtenbrief, so lese ich, an die katholische Kirche in Irland. Er hat sich Zeit genommen, für diesen Brief, den zu lesen und zu hören die Gläubigen nicht nur in Irland mit Spannung erwarten.

Vielleicht kennst Du seinen Inhalt schon? Nein, nein, ich will Dich keineswegs dazu drängen, Dein verfrühtes Wissen vorzeitig zu beichten, in aller Öffentlichkeit. Zumal der Papst selbst mit diesem Brief ungewöhnlich lange - Du erlaubst diese saloppe Metapher - schwanger ging.

Für gewöhnlich werden die Briefe des Hirten den Schäfchen in der heiligen Messe zu Gehör gebracht, durch den Geistlichen vor Ort. Der hat es dann auch nicht eben leicht, oder?

Dabei hätte der Oberhirte in Rom doch mehrmals Gelegenheit gehabt, in dieser Woche, zu den Schäfchen auf dem Petersplatz direkt zu sprechen. Ohne fremdes Sprachrohr in der Ferne. Dann hätten ihn nämlich gleich alle gehört, auch die, die nicht in die Kirche gehen, zur Messe.

Ausserdem werden die, die gehen, bald an einer Hand abzählbar sein. Über 1 Mio Kirchenaustritte stünden bevor, liest man in den österreichischen Medien, über Österreich. Ja in den Medien. Die scheint der heilige Vater nicht sehr zu schätzen.

Sonst hätte er sie doch genutzt, auf dem Petersplatz. Nirgends ist die internationale Aufmerksamkeit so gross wie dort. Doch er hat wieder nur mit den Armen gerudert und seine übliche Litanei heruntergebetet, wie der gregorianische Kalender sie vorschreibt.

Der gilt seit 1582, genauer seit dem 24. Februar, und wurde seinerzeit verabschiedet durch die päpstliche Bulle "inter gravissimas", damit fortan Ostern wieder am richtigen Tag gefeiert werden konnte.

1487, also gut 100 Jahre zuvor hatte der Hexenhammer, das "Maleum Maleficorum" der Inquisition das ihr zugedachte Handbuch zur Seite gestellt. Heinrich Kramer, sein Verfasser, stellte dem Werk die päpstliche Bulle Summis desiderantes voran. Sein Dokument brachte die damaligen Vorstellungen von Hexen auf den Punkt und belegte sie mit Dutzenden von Kirchenväter-Zitaten.
Der damalige Papst hiess Innozenz VIII, die Unschuld in Person. Galileo Galilei zählte, wiewohl keine Hexe, sondern dann wohl ein Hexer, zu den prominentesten Opfern der fortschreitenden kirchlichen Inquisition.

Papst Benedikt der XVI. scheint ebenfalls Hexen und Hexer zu fürchten. Warum sonst würde er einen Satansaustreiber (Exorzist) im Vatikan beschäftigen, anno 2010?

Ob die "peinliche Befragung", zur Zeit Innozenz VIII. praktiziert, auch hier und heute zum Tragen kommt?

Auch darüber, liebe Jungfrau Maria, möchtest Du lieber schweigen?

Befürchtest Du gar, Du müsstest Dich selber einer solchen unterziehen lassen, falls...???

Da kann ich Dich beruhigen. Erstmal ist Benedikt an der Reihe, die Medien sind schon daran. Wenn auch ohne körperliche Pein. Wir sind schliesslich aufgeklärt!

Grüsse in den Himmel von Franziska Rakete auf der Abschussbasis.
Spina santa!