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7. März 2009

Es gibt nichts Kränkeres als den gesunden Menschenverstand

Originalgrafik von Rudi Schär: 2008 "viele viele bunte Smarties"

Gerechtigkeit und alles was Un-Recht ist

Denkzettel von K.C. Broom

Im Zusammenhang mit der aufkommenden Rezession klagen nun auch schon die Gefängnisse über Kurzarbeit. Die Auftragslage sei schlecht. In einer Reportage wurde am TV ein Häftling interviewt, der den Zustand ebenfalls beklagte. Die Tage würden ohne sinnvolle Beschäftigung für die Insassen sehr lang. Ist wohl nachvollziehbar, aber es war nicht das, was mich betroffen gemacht hat. Der Mann wurde gefragt, wie lange er sitzen müsse, und was er denn verbrochen habe. Vier Monate für Benzindiebstahl, antwortete der Mann. Er hätte wiederholt aus Geldmangel für sein Motorfahrrad Benzin abgezapft. Nun einmal ist genug, der Krug geht zum Brunnen bis er bricht. Für was gibt es denn sonst Tankstellen. Ein Gefängniseinsasse kostet den Steuerzahler einen guten Batzen Geld. Wir lassen uns eine Strafe etwas kosten und bezahlen in der Regel ein Vielfaches der Deliktsumme für die Massnahme. Das ist aber nicht das Thema meines Unmutes. Da klaut einer Benzin für sein Motorrad, wird erwischt und wandert in den Knast, weil Beweislage und Delikt, Diebstahl, eindeutig sind. In der gleichen Sendung geht die Post ab und wir erhalten all die Abzocker und Verursacher der momentanen Finanzmisere in ihren protzigen Villen, vor ihren hochteuren Kunstwerken vorgeführt, und man lässt sie ihr unsägliches Boni-Geplauder absondern. Da fragt sich schon mal einer, wann erfolgt endlich der Sturm auf die Bastille, wann knallt da einem die Sicherung durch. Schaut man sich dann noch weiter durch die Programmlandschaft, hört man, dass Firmen oft Leute wegen (Bagatell)-Diebstahl entlassen, in vielen Fällen als Vorwand für den Abbau von Personal. Da hat ein Baumarkt Mitarbeiter Fliesenscherben aus dem Abfall gefischt und mit nach Hause genommen. Das Arbeitsgericht befindet Diebstahl. Ein anderer Fall handelt von zwei Briefmarken, die privat verwendet wurden. Die Frau musste den Hut nehmen. Fehler in Spesenabrechnungen seien auch ein sehr häufiger Grund. So werden Leute in der Regel dem Arbeitsamt und der Sozialhilfe übergeben, denn oft sind sie dann in der Folge schwer vermittelbar.

Offensichtlich hat der moderne Feudalstaat es geschafft, sich den sicheren Hafen für seine Herrschenden zurück zu erobern. Die Systeme sind in sich dermassen korrumpiert, dass es nicht einmal mehr Logen wie die eines Licio Gelli oder der Illuminaten bedarf. Durch permanente Diffamierung der Sozialeinrichtungen, rigorose Sparmassnahmen zwecks Steuergeschenken für die Reichen, wird der Staat und seine Auffanginstitutionen zusehends reduziert. Eine kryptofaschistische Gilde von Poltergeistern, kleine Handlanger die man für ein Trinkgeld unter die Politiker mischt, und die sich anschicken den "Sozialmüll" (Maucher ex Nestlé) zu privatisieren, macht sich da und dort in den Parteien der Rechten breit. Mit anderen Worten, Parteisoldaten die das Elend salonfähig reden und aus ihren Herren die eigentlichen Daueropfer machen. Schuld am Absturz ist wer selber Schuld hat, springe von der Brücke wer da wolle.

Einer aus der Teppichetage muss schon offensichtlich kriminell handeln, dass er auch einmal in den Genuss einer Gefängniszelle kommt. Wäre das wahre Delikt die Gier, dann wäre wenigstens die Deliktsumme in einem guten Verhältnis zu den Vollzugskosten. Aber eben, was ist ein Delikt? Benzin oder Briefmarken entwenden, das verstehen wir gerade noch, aber weltweite Miseren mitverantworten aus purer Gier, Saläre und Boni abkassieren die mit dem Wort Diebstahl gar nicht mehr adäquat bezeichnet werden können, da versagen unsere Systeme aber auch unsere Vorstellungsvermögen kläglich.

Leistung soll belohnt werden, dagegen ist nichts einzuwenden. Eine Pferdestärke (PS) ist die Einheit für Leistung. Ein PS sind ca. ¾ Kilowatt. Die Kilowattstunde kostet < 20Cent. Messbare Einheiten, egal ob das Pferd ein Vollblut-Rennpferd ist oder ein Ackergaul. Und der immer wieder gebrachte Vergleich mit Spitzensportlern oder Popstars ist unsinnig, auch deren “Boni“ sind pervers.

Eines habe ich nun in der letzten Zeit restlos verstanden. Gewinne muss man privatisieren, Verluste muss man sozialisieren. Das klingt irgendwie so etwas von plausibel. Das bedeutet im Klartext, man kann wurschteln wie man will, es macht sich immer irgendwie bezahlt, solange man nur keine kaputten Fliesen mit nach Hause nimmt.

Aber unter uns: Heute will doch niemand, ob Klofrau, Bauer oder Büroangestellter, als Linker dastehen. Man könnte doch noch aufsteigen, im Lotto gewinnen, oder man kennt jemanden, der schon da oben ist, vielleicht sogar einen Sohn, oder eine Tochter, oder deren Mann. Schuld an all den Widrigkeiten sind - und das ist viel einfacher zu realisieren - all die Ersatzfeinde, die Wirtschaftsflüchtlinge und anders Aussehenden. Wir sind genuin da Schwarzmaler, wo auch was Schwarzes ist. Ein Schwarzer ist für uns erkennbar schwarz. Wir brauchen eindeutige Feindbilder und weisse Manager wären wir selber gern. Wer will schon schwarz und Nichtmanager sein? Bei Banken wie der Schweizer UBS werden die schwarzen Schafe zum goldenen Vlies und die Steckbriefe mit ihren Köpfen zieren nie den öffentlichen Raum. Die Schweiz ist noch viel mehr als unsere Inselrepublik ein Land der heiligen Kühe und goldenen Kälber. Schweizer wie Jean Ziegler kommen mir manchmal vor wie der alte Moses, der donnernd heilige Tafeln in Stücke schlägt. Aber mit den 10 Angeboten ist es wie mit allem in der freien Marktwirtschaft, wo keine Nachfrage ist kommt auch kein Marktverhalten auf.

Oft denke ich, es gibt nichts Kränkeres, als den gesunden Menschenverstand.

Quellen:

Gekündigt wegen 1,30 Euro - der Fall Emmely aus Berlin

http://www.ardmediathek.de/ard/servlet/content/1731564