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25. August. 2008

Das Jahr 2040 ist noch zu haben

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John Cage

Die Zukunft gehört Halberstadt

Anna Felizitas Grazi

2040 ist das jüngste Klangjahr, das Sie noch erwerben können. Für viele von Ihnen wird es noch erlebbar sein und die 1000 Euro die es kostet wären doch unter uns gesagt gut investiertes Geld. Ein nettes Stück Zukunft als geistiges Eigenheim, ein Schnäppchen für Klangfetischisten und solche die es noch werden wollen. Während ich hier daherplappere und Sie, lieber Leser, das Handtuch noch nicht geworfen haben, erklingt im achten Jahr, etwas südlich zwischen Braunschweig und Magdeburg, im deutschen Halberstadt, ein Dauer-Dreiklang aus sechs Orgelpfeifen, hinein in das Klangjahr 2008.

Wie langsam ist

“So langsam wie möglich”?

Im Jahr 1361 wird in Halberstadt die erste Großorgel der Welt, eine Blockwerksorgel, gebaut. Diese Orgel stand im Dom und hatte zum ersten Mal eine (12-tönige) Klaviatur. Noch heute wird das Schema dieser Klaviatur auf unseren Tasteninstrumenten gebraucht. Die Wiege der modernen Musik stand damit in Halberstadt. Im Jahr 2000, 639 Jahre sind seit dem „fatalen Tag von Halberstadt“ (Harry Partch) vergangen, 639 Jahre soll das Stück von Cage „so langsam wie möglich“ aufgeführt werden. Ort ist die Burchardikirche, eine der ältesten Kirchen der Stadt. Um 1050 von Burchard von Nahburg gebaut, diente sie über 600 Jahre als Zisterzienserkloster. Im 30-jährigen Krieg wurde sie teilweise zerstört, 1711 wieder aufgebaut und 1810 von Jérome säkularisiert. 190 Jahre war die Kirche, Scheune, Lagerschuppen, Schnapsbrennerei und Schweinestall. Von Johann-Peter Hinz wird die romanische Kirche für dieses außergewöhnliche Vorhaben, das die Faszination vieler Menschen in der Welt weckt, neu entdeckt. Mit Unterstützung der Stadt Halberstadt und der Hilfe privater Hände wird Burchardi gereinigt, durch ein neues Dach vor Regen geschützt, Fenster werden eingesetzt und die Kirche in der Substanz soweit gesichert, dass ein Blasebalg nach dem Vorbild der ersten Faber-Orgel gebaut werden konnte. Heute, in unserer Zeit, hören wir den ersten Dreiklang aus sechs Orgelpfeifen in einer kleinen Orgel, die während der Aufführung wächst: „as slow as possible“. Angesichts unserer schnelllebigen Zeit ist dieses Vorhaben eine Form der versuchten Entschleunigung, der „Entdeckung der Langsamkeit“ und das Pflanzen eines „musikalischen Apfelbäumchens“ verstanden als Symbol des Vertrauens in die Zukunft. Die Burchardikirche kann Dienstag bis Sonntag, 11.00-16.00 Uhr, besichtigt werden.


http://www.john-cage.halberstadt.de