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Ostern 2010

Die heilige Lanze

Kreuzigung Christi mit Lanzenstich des Hauptmanns Longinus, eingefleischte Freske von Fra Angelico (um 1437-1446)

Anna Felizitas Grazi


hocus pocus sanctibus

Schon das Mitführen der Heiligen Lanze bei Kriegszügen garantierte dem Herrscher die Unbesiegbarkeit. Daher ließ auch Otto III. auf seinem Zug nach Rom 996 die Lanze dem Heer voraustragen. Otto III. hatte die Lanze stets bei sich gehabt, auch als er im Alter von 21 Jahren in Italien ohne direkte Nachkommen starb. Bei der Überführung seines Leichnams nach Aachen im Jahre 1002 in Begleitung des Erzbischofs Heribert von Köln brachte der spätere Kaiser Heinrich II. die Reichskleinodien in seine Gewalt, um sich die Thronfolge zu sichern. Die Heilige Lanze war jedoch schon vorausgeschickt worden, und so setzte Heinrich II. auch den Bruder Erzbischof Heriberts, den Bischof von Würzburg, gefangen, um so die Herausgabe der Lanze zu erzwingen. Röntgenaufnahmen und andere zerstörungsfreie Materialprüfungen des Interdisziplinären Forschungsinstitutes für Archäologie der Universität Wien in den vergangenen Jahren zeigten, dass die oftmals beschriebene Lanze 1200 Jahre alt ist und somit nie mit einer Person Namens Jesus Christus in Berührung gekommen sein kann. Der durch die Reichskleinodien, namentlich der Heiligen Lanze, zu Amt und Würden gekommene Heinrich der II und auch seine Frau Kunigunde sind von Papst Eugen III. 1146 heilig gesprochen worden. Einige spätere Geschichtsschreiber bedachten ihn daher mit dem Beinamen „der Heilige“. Karlheinz Deschner widmet ihm für seine Schandtaten in dem Buch “Über Franken, die Landschaft meines Lebens“, einen kurzen blutigen Nachruf.

Santo Subito und das Boson Gottes

Wir schreiben das Jahr 2010 des Herrn und immer noch sprechen Päpste nach reichlicher Prüfung heilig. Voraussetzung sind Martyrium oder heroischer Tugendgrad des Betreffenden sowie der Nachweis eines Wunders.

Um dem Ansinnen vieler Gläubiger Nachdruck zu verleihen, Papst Johannes Paul II „santo subito“ heilig zu sprechen, haben französische Ordensschwestern auf rührige Art versucht ein Wunder nachzuliefern. Eine ihrer Mitschwestern, welche von der Parkinson Krankheit befallen war, soll geheilt worden sein, nachdem die Schwestern den bereits verstorbenen Papst um Fürsprache baten. Nun ist die Nonne erneut an Parkinson erkrankt, und der Prozess der Heiligsprechung ist dadurch ins Stocken geraten.

Etwas mehr Glück hatten diese Woche die Physiker am CERN. Erstmals ist im Large Hadron Collider eine Protonenkollision gelungen und die Erde ist nicht in einem schwarzen Loch verschwunden. Wäre dies nicht eine einmalige Chance für Benedikt den XVI, den Vorgänger im Jenseits mit einer Fürbitte in Sachen Entdeckung des Higgs Bosons anzugehen? Die Wahrscheinlichkeit, dass dieses Teilchen entdeckt wird ist sehr hoch und man stelle sich vor, die katholische Kirche könnte für sich reklamieren, Wesentliches zur Vervollständigung des Standardmodells beigetragen zu haben, mehr noch, diese Erkenntnis wäre dann von dem lieben Gott höchst persönlich abgesegnet oder gar gesandt und dem guten Karol Vojtyla könnte man den Santo-Stempel subito auf die sterbliche Hülle drücken.

Beati pauperes spiritu oder Plapperi Plappera Plapperallala

Der harte Kern der Kirche hatte sich gestern trotz - oder gerade wegen - der scharfen Kritik an der Kirche, zahlreich auf dem Petersplatz eingefunden. Das Osterfest im Vatikan wurde weltweit wegen der vielen Übergriffe auf Schutzbefohlene mit Spannung erwartet. In einem vom Kirchenprotokoll abweichenden Schritt stellte sich der Dekan des Kardinalskollegiums, Angelo Sodano, ausdrücklich hinter den Papst, der wegen des Skandals mehrfach persönlich angegriffen worden ist. Das Volk Gottes werde auf das Geplapper nicht hören, bekräftigte Sodano. "Die ganze Kirche ist mit Ihnen", sagte der Kardinal zu Benedikt. Sodano wünschte dem etwas mitgenommen dasitzenden Papst frohe Ostern. Diese vom Ritual der Ostermesse abweichende Ansprache ist in der Kirchengeschichte einmalig. Schön für Sodano, dass er das Volk Gottes hinter sich weis und in der Kriminalgeschichte der Kirche sind die paar Missbrauchsfälle in der Tat fast nur ein Geplapper.

Der persönliche Prediger des Papstes, Raniero Cantalamessa, ein Einfaltspinsel sondergleichen, hat weltweit für Aufruhr gesorgt und der Vatikan musste sich einmal mehr von einem peinlichen Ausrutscher eines seiner Hirten distanzieren. Folgendes Zitat aus dem Brief eines jüdischen Freundes gab Anlass dazu: «Die Stereotypen und das Verschieben persönlicher Verantwortung und Schuld hin zu einer kollektiven Schuld erinnert mich an beschämendste Aspekte des Antisemitismus»

Denn sie wissen nicht was sie tun

Das deutsche Volk hatte nach dem dritten Reich schwer zu leiden an dem Vorwurf der Kollektivschuld. Eine Kollektivschuld aller deutschen Menschen wurde bereits in den Urteilen der Nürnberger Prozesse eindeutig zurückgewiesen. Karl Jaspers verneinte eine Kollektivschuld, führte aber bereits 1946 neben der strafrechtlichen Schuld einzelner Täter die Begriffe einer moralischen Schuld und eine historische Schuld in die Debatte ein. Das Wort “Tätervolk“ wurde 2003 zum Unwort des Jahres gewählt. Ebenso wäre es verfehlt, den Klerus als einen “Haufen von Kinderschändern“ zu betiteln. Mitschuld entsteht aber dadurch, dass Strukturen toleriert ja gefördert werden, welche solche Untaten begünstigen. Schuldig macht sich derjenige, der den Tatsachen nicht ins Auge blickt, diese leugnet und vertuscht und sich in Schweigen hüllt. Mitschuldig machen sich Mitwisser!

Schindluder mit Gott gegen Gott

Bessere Lügner und Geschichtsklitterer als die für ihre Institution besorgten Kirchenfürsten findet man leider nirgends. Auch wenn Karlheinz Deschner zuweilen etwas ungenau sein mag mit Zahlen, wenn nur 1% davon stimmen, müssten die alten Knaben in Rom, wollten sie die Westen der heiligen Kirche weisswaschen, ihre purpurnen und violetten Röckchen beschämt in den Schrank hängen und fortan bis an ihr Lebensende beissende Juttekutten tragen und täglich auf den Knien über den Petersplatz kriechen. Was die momentane Krise angeht, ist es hoch verfehlt den Medien den schwarzen Peter zuschieben zu wollen. Einmal mehr hat eine Führungsgilde nicht begriffen, dass gutes Krisenmanagement mit Vertuschungsstrategien nichts gemeinsam hat. Grosse Politiker wie etwa Willi Brand sind wegen weniger zurückgetreten, haben Verantwortung übernommen für ihr Versagen. Nur was käme da nach in Rom, fragt man sich? Der momentane CEO der römisch katholischen Kirche und seine Mitmanager, haben keine Boni verdient. Ratzinger geht in Sachen Managementgeschick Hand in Hand mit seinen Kollegen auf den Vorstandsebenen der kriminellen Banken. Wie diese kennt der Vatikan ebenfalls kein Malussystem, denn das Sprachrohr Gottes hat immer Recht. Solche Schindludereien machen Gott selber zum Komplizen. Dieser erduldet einmal mehr die Pein, angenagelt ans Holz, verkommen zum Souvenir über katholischen Betten.

Le fantôme de la liberté

Erinnern wir uns doch an die Legende, die Iwan Fjodorowitsch Karamasow seinem jüngeren Bruder erzählt:

- Jesus Christus kehrt wieder, und zwar 1555 in Sevilla. Wegen seiner starken Wirkung auf das Volk lässt ihn der neunzig Jahre alte Großinquisitor verhaften. In einem langen Monolog wirft er dem schweigend zuhörenden Sohn Gottes vor, die Menschen einer unbarmherzigen Freiheit überlassen zu haben. Für sie wäre es leichter gewesen, wenn Jesus einer der drei Versuchungen in der Wüste nicht widerstanden und sie durch Brot, Wunder oder Macht für sich gewonnen hätte. Erst seit die Kirche den Menschen ihre Autorität aufzwinge und ihnen die schreckliche Last der Freiheit abnehme, könnten sie glücklich sein. – soweit Dostoïevski.

Dem nicht genug, die Kirche nimmt den Menschen nicht nur die Last der Freiheit ab, sondern auch die Last der Wahrheit. Was das Schlimmste ist, sie kreuzigt auch damit den Menschensohn zum zweiten Mal und verbündet sich ohne es wohl selber zu merken mit dem Teufel.

Kreuzzüge am laufenden Band

Wenn der Westentaschenreformator Hans Küng, wie der Spiegel diesen einmal nannte, Papst Pius XII zugesteht, er habe die schlimmen Seiten Stalins als Erster erkannt und in Hitler das weniger schlimme Übel gesehen, dann ist das gelinde gesagt eine hoch naive Auslegung. Pius ging es vormals nicht um Stalin sondern generell um die Bekämpfung von glaubensfeindlichen Tendenzen wie den Kommunismus, die Verhinderung ökumenischer Ansätze und nicht zuletzt um die Rückführung der abtrünnigen Orthodoxen, als auch einer staatlich gelenkten Gegenreformation in nördlichen Regionen. Bevor er und Pius XI Hitler und die Nazis favorisierten, haben sie mitgeholfen Mussolini zu portieren. Als Hitler das reformierte Norwegen überfiel, hatte Pacelli nur die 2000 norwegischen Katholiken den Millionen von deutschen Katholiken gegenübergestellt. Gottes Segen den Granaten des Guten oder wider die Feindesliebe zum Endsieg. Mit andern Worten dieser abtrünnige Haufen gehört heim ins römische Reich. Allen voran Hitler, abermals die heilige Lanze im Gepäck.

Mit den liebsten Wünschen für die weitere Arbeit

Kein Wunder denn auch, dass Johannes Paul II den Militärvikar des faschistischen Ustaša-Regimes und Erzbischof von Zagreb, Alojzije Stepinac 1998 selig spricht.

Schon kurz nach der Errichtung des Ustaša-Staates mit Einverleibung Nordserbiens und Bosniens wurde der pathologische Mörder Pavelić von Papst Pius XII im Vatikan samt Ministern und lokalen Kirchenoberhäuptern herzlich empfangen, "mit den liebsten Wünschen für die weitere Arbeit". Mile Budak: "Die Ustaša-Bewegung basiert auf der Religion. Für Minderheiten wie Serben, Juden, Zigeuner haben wir drei Millionen Patronen. Ein Drittel der Serben werden wir töten, ein anderes Drittel deportieren und das letzte Drittel werden wir in die Armee der Römisch-Katholischen Religion zwingen und sie so zu Kroaten machen. So wird unser neues Kroatien alle Serben bei uns ausmerzen und binnen zehn Jahren hundertprozentig katholisch sein."

Was Pacelli angeht, wie könnte es anders sein, Ratzinger hat die Heiligsprechung des „Stellvertreters“ an die Hand genommen. Am 19 Dezember 2009 hat er bereits eine wesentliche Hürde genommen und Pius XII den heroischen Tugendgrad zugesprochen. (Es sind immer die neuen Manager, die den Vorgängern goldene Fallschirme verpassen). Den heroischen Tugendgrad wohlverstanden, das entspricht in etwa dem eisernen Kreuz erster Klasse, meine Damen und Herren. Nun fehlt nur noch eine Wunderheilung. Hier würde ich vorschlagen: Pius XII hat durch sein Paktieren mit den Faschisten den Duce mit Bestimmtheit vor einem Magengeschwür behütet. Man könnte doch Prävention als Wunder auf Vorschuss deklarieren, mit den salbungsvollen Worten: Der heilige Vater hat das Wunder am Duce in weiser Voraussicht vollbracht und so dem Faschismus, oder wie Hans Küng es sinngemäss ausdrückt, nur dem kleineren Übel auf die Sprünge geholfen.

Es ist dies eine alte Weisheit auf Sehnah:

“Mit einer heiligen Lanze ist dem Frieden keine Lanze zu brechen.“

Heilige Lanze


Die Heilige Lanze (auch: Mauritiuslanze oder Longinuslanze) ist das älteste Stück der Reichskleinodien der römisch-deutschen Könige und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. Sie enthält angeblich ein Stück eines Nagels vom Kreuz Christi (Heiliger Nagel). Nach der Legende gehörte die Lanze Mauritius, dem Anführer der Thebaischen Legion, oder nach anderen Quellen dem römischen Hauptmann Longinus, der mit ihr den Tod Jesu überprüfte, so dass sie auch mit dessen Heiligen Blut getränkt sein soll.

Zeitweise war sie das bedeutendste Stück der Insignien, später trat an ihre Stelle die Reichskrone. Die Lanzenspitze wurde in einem Hohlraum im Inneren des Querbalkens des Reichskreuzes aufbewahrt. Ein Herrscher, der diese Lanze besaß, galt als unbesiegbar. Sie war das sichtbare Zeichen dafür, dass seine Macht von Gott ausging, dass er der Stellvertreter Christi war.

Für mindestens drei weitere Lanzen bzw. deren Spitzen wurde der Anspruch erhoben, die „echte“ Heilige Lanze aus der Zeit Christi zu sein (siehe Abschnitt: Andere Heilige Lanzen). Ihre Überreste sind jedoch heute nicht mehr auffindbar. Schon zur Zeit Kaiser Ottos III. wurden zwei Kopien der zu den Reichskleinodien gehörenden Lanze hergestellt und an befreundete Herrscher übergeben.

Die Lanze wurde zusammen mit den anderen Reichskleinodien während der Napoleonischen Feldzüge von Nürnberg nach Wien gebracht, um sie vor dem Zugriff Napoléon Bonapartes zu schützen.

Hitler ließ die Lanze kurz vor dem Zweiten Weltkrieg wieder nach Nürnberg bringen. Sie wurde 1945 von Soldaten der Alliierten in einem Stollen gefunden und zurück nach Wien gebracht. Heute wird sie in der Schatzkammer der Wiener Hofburg unter der Inventarnummer XIII, 19 ausgestellt.


Konkordatspolitik

Am 12. Oktober 1932 unterschrieb Pacelli das Konkordat mit Baden, am 5. Juni 1933 das Konkordat mit der Republik Österreich und am 8. Juli das Reichskonkordat mit der nationalsozialistischen Regierung, das am 20. Juli in Kraft trat. Vorausgegangen waren Hitlers kirchenfreundliche Regierungserklärung (23. März 1933), die Rücknahme der Dekrete der deutschen Bischöfe, die die Unvereinbarkeit von Katholizismus und Nationalsozialismus erklärt hatten (28. März), die Zustimmung der katholischen Zentrumspartei zum Ermächtigungsgesetz (23. April), ihre Selbstauflösung (5. Juli 1933) und die absehbare Gleichschaltung der katholischen Verbände. Darum wollten Pius XI. und Pacelli nun staatliche Garantien für die katholische Religionsausübung: Dafür verpflichtete sich der Vatikan wie schon beim Italienkonkordat mit Benito Mussolini von 1929 zu politischer Neutralität. Dies kam Hitlers Absicht entgegen, politische Aktivitäten der deutschen Bistümer, katholischen Orden und Verbände rechtlich zu unterbinden und international Prestige zu gewinnen.[19]

Vor 1933 hatte Pacelli eine Koalition der Zentrumspartei mit der DNVP befürwortet, die dann mit der NSDAP koalierte.

Quelle Wikipedia