<font size="1" color="#cc3a1e">Beispiel: Uhrzeit anzeigen</font>

25.09.2017

Deutschland sie weben dein Leichentuch, ein Wintermärchen?

Kolummne von Andrea Curd Sauerberg zu den Wahlen in Deutschland


Man könnte mit Fug und Recht sagen, es ist Herbst, die Ernten sind eingefahren. Vier Jahre grosse Koalition, an der Spitze DIE KANZLERIN. Nun fallen einige Blätter ab, sind rot geworden, andere bleiben noch sind gelb und einige werden grün bleiben, insbesondere die der Nadel- und Buchsbäume. Was machen wir nun mit denen, die da nun auch im Bundestag sitzen werden? Ignorieren sagt der grüne Özdemir, einfach ignorieren. Ignorieren? Im Talk bei der Anne Will wird immer wieder über diese Leute gesprochen. Wer sind sie, von denen alle sprechen? Wer ist dieser Alexander Gauland, der die Kanzlerin fortan durch den Bundestag jagen will und wird es gelingen ihn und die anderen einfach zu ignorieren?

In der Berliner Runde die vor dem Talk mit Anne Will gesendet wurde, sass die Kanzlerin ruhig und gelassen da. Der gute Schulz, mit ihm ist es plötzlich durchgegangen und er hat seine Niederlage sofort an Ort und Stelle in einen Sieg umgewandelt. Er, der Fussballer, sollte es eigentlich besser wissen. Im Fussball heisst eine Niederlage Abstieg. Die SPD werde nun DIE Opposition sein im Bundestag. Man werde nicht der AfD diesen Platz überlassen. Na ja, was wird sie denn sagen diese SPD, würde die Kanzlerin wieder sagen: „Wir schaffen das?“ Würde sie sagen, wir schaffen das nie und nimmer? Das wäre ja dann z.B. die Opposition, auch wenn das Original durchschimmert. Die Kanzlerin wird nicht mehr so schnell sagen, wir schaffen das. Sie sagt ja, die Fluchtgründe sind noch nicht alle ausgeräumt, wir haben noch viel zu tun, was immer das heisst. Man kann gegen die Merkel sagen, was man will, aber sie hassen, weil sie damals so etwas wie, aus einer Mischung von Menschlichkeit und geburtenarmen Jahrgängen eingeknickt ist, ist doch im Grunde eine Schande. Zumindest alle Linken hätten ihr da zujubeln dürfen. Aber bejaht man die Menschlichkeit an den sogenannten Aussengrenzen, so überlässt man die Opposition ja wieder der AfD. Der einzige, der schon früh diese Opposition in die Groko getragen hat, war der Seehofer. Er hat nun die Quittung erhalten. Die Bayern haben gleich das Original gewählt. Ach Bayern, das Land der Lederhosen und der Bierkrüge, diese südlichste aller Aussengrenzen.

Gehen wir doch einmal zurück in das Jahr 1985. Da wurde ein gewisser Franz Schönhuber, Parteivorsitzender der Republikaner, einer kleinen Partei, die aus der CSU hervorgegangen war. Der Sohn eines Metzgers, der seit 1931 der NSDAP angehörte. Als 19-jähriger Jugendlicher gehörte er zur Hitler-Jugend. Bald darauf meldete er sich freiwillig zur Waffen-SS und war während des Krieges im Fronteinsatz. Er war auch Anwärter für die Leibstandarte SS Adolf Hitler, wurde aber dann in Frankreich eingesetzt. Ihm wurde als SS-Unterscharführer das Eiserne Kreuz zweiter Klasse verliehen. Das Parteiprogramm der Republikaner war etwas ausgedehnter, als das der AfD. Aber im Wesentlichen bleiben sie mit folgender Politik in Erinnerung:

Die Einwanderungs- und Ausländerpolitik nimmt im Parteiprogramm im Rahmen der Innenpolitik grossen Raum ein. Gewarnt wird vor „Überfremdung“ und Masseneinwanderung: Diese schränke das „Menschenrecht auf Heimat“ der Deutschen ein und zerstöre Geborgenheit in einer deutschen Identität. Deutschland sei kein Einwanderungsland. Gefordert wird daher die Streichung des Grundrechts auf Asyl aus dem Grundgesetz. Stattdessen soll unterhalb der Grundrechtsebene ein Asylgesetz erlassen werden, welches restriktive Regelungen enthalten soll, insbesondere „Unterbringung in Sammelunterkünften“, ein deutlich beschleunigtes Asylverfahren und „Abschiebung krimineller Asylbewerber auch vor Abschluss des Verfahrens“. Kirchenasyl soll mit polizeilichen und strafrechtlichen Mitteln unterbunden werden. Weitere Ziele sind die sofortige Ausweisung von schwer straffälligen oder integrationsunwilligen Ausländern, der Abbau von Privilegien, die diese z. B. bei der Sozialhilfe angeblich geniessen, intensivere Strafverfolgung von Ausländerkriminalität und zwingende Ausweisung von Ausländern, die länger als ein Jahr Sozialhilfe beziehen.

Was ist also mit der AfD noch hinzugekommen? Genau, der Islam und die sogenannte Islamophobie.

Der letzte Auftritt von Frau Weidel vor den Wahlen hörte sich an wie ein Tatort oder Aktenzeichen XY. Man könnte auch häusliche Gewalt von Deutschen an Deutschen Müttern aufführen und dann sagen, alle Deutschen gehören als potentielle Vergewaltiger an die Aussengrenze gestellt. Das ist in etwa das Programm der Frau Weidel. Falsch ich habe noch vergessen zu erwähnen, dass sie ja insbesondere die Übergriffe von muslimischen Männern gegen Homosexuelle in den Fokus gerückt hat. Die AfD Mitglieder haben ihr zugejubelt. Ich denke die haben gar nicht richtig zugehört. Das Schwulenklatschen ist nämlich den Neonazis vorbehalten und nun erfrechen sich diese Fundamentalisten plötzlich den eigenen Reihen den Rang abzulaufen. Homosexualität steht nun nicht unbedingt auf der obersten Kante eines rechtsextremen Parteiprogramms und Frau Weidel sollte sich einmal den Röhmputsch reinziehen und die Verdammten von Visconti anschauen. Zudem nennt der AfD Mann Kay Nerstheimer Schwule eine „degenerierte Spezies“. Aber eben, die AfD, das sind ja keine Nazis, das ist ja nur eine ganz normale konservative Partei, die Deutschland liebt und Nation ist ja ein Wort, das auch in den Vereinigten Nationen vorkommt. Man sagt der UNO ja auch nicht Vereinigte Nazi Länder.

Man kommt nicht umhin, über die AfD zu sprechen. Man soll auch, denn die sogenannten Protestwähler gilt es ja zurückzufordern. Wo seid ihr auch gelandet ihr verlorenen Söhne und Schafe?

Wer das Interview des Schweizer Fernsehens mit Frauke Petri nach der Wahl gesehen hat, hat eine moderate nette Frau erlebt. Wer sie da zum ersten Mal gesehen hat, der hat sich sagen müssen, für eine Rechtsextreme ist diese “Schauspielerin“ die falsche Besetzung, da gibt die von Storch und die Weidel definitiv mehr her. Und bevor ich zu echten politischen Herausforderungen komme, noch etwas zum Selbstverständnis der Deutschen. Nach 68 ist viel getan worden um sich bewusst zu werden, was da eigentlich geschehen ist mit dieser Nation. Es gibt ein deutsches Erbe und eine deutsche Narbe. Zum deutschen Erbe gehört der Schlusschor der 9ten Sinfonie von Beethoven und so einiges mehr. Aber auch das Gedicht die schlesischen Weber von Heinrich Heine gehören zum Erbe und es nimmt die Narbe vorweg.

Im düstern Auge keine Träne,

Sie sitzen am Webstuhl und fletschen die Zähne:

Deutschland, wir weben dein Leichentuch,

Wir weben hinein den dreifachen Fluch -

Wir weben, wir weben!

Ein Fluch dem Gotte, zu dem wir gebeten

In Winterskälte und Hungersnöten;

Wir haben vergebens gehofft und geharrt,

Er hat uns geäfft und gefoppt und genarrt -

Wir weben, wir weben!

Ein Fluch dem König, dem König der Reichen,

Den unser Elend nicht konnte erweichen,

Der den letzten Groschen von uns erpresst

Und uns wie Hunde erschiessen lässt -

Wir weben, wir weben!

Ein Fluch dem falschen Vaterlande,

Wo nur gedeihen Schmach und Schande,

Wo jede Blume früh geknickt,

Wo Fäulnis und Moder den Wurm erquickt -

Wir weben, wir weben!

Das Schiffchen fliegt, der Webstuhl kracht,

Wir weben emsig Tag und Nacht -

Altdeutschland, wir weben dein Leichentuch

wir weben hinein den dreifachen Fluch -

Wir weben, wir weben!


Es sind immer die „schlesischen Weber“ die die Zähne fletschen und wenn Politik sie am Rande stehen lässt, dann kommt erneut Unheil über das Land.

Doch in einer globalisierten Welt ist Schlesien überall und gerade an den Aussengrenzen wimmelt es nur so von Webern. Sie fletschen die Zähne nicht vor Wut, ihr Fletschen kommt von der Kälte. Von der Kälte der Nacht und der Kälte der Menschen. Und der Satz: Der den letzten Groschen von uns erpresst und uns wie Hunde erschiessen lässt – hat viel mit der Politik der Ausbeutung jener Länder zu tun, die uns heute ihre „Weber“ bescheren. Und gegen sie will die Frau Storch schiessen lassen. Ja Frau Merkel hat recht, es gibt da unten viel zu tun. Aber libysche Konzentrationslager sind nur ausgelagerte europäische, angesichts derer die Narbe nach Europa hinein eitert. Oft frage ich mich, ob der letzte Sozialdemokrat Lafontaine geheissen hat, oder ob er nur wegen Frau Wagenknecht desertiert ist. Für beides habe ich sogar ein gewisses Verständnis. Der gute Schulz war offensichtlich eine Fehlbesetzung. In ihm hat sich die SPD kurz selber gefeiert, nun poltert er herum wie ein Rumpelstilzchen. Im Wahlkampf hat es ihm noch nicht so recht gepoltert. Nun ich würde in vier Jahren weniger auf Frau Nahles setzen, als eher auf die Manuela Schwesig, damit die Genossen nicht fremd gehen. Vielleicht gehen die Linken und Halblinken ja etwas aufeinander zu und die Grünen bleiben auch noch soweit rot, dass sie nicht braun werden. Man könnte nun noch über Dieselmotoren sprechen, über Arbeitsplätze, über Ganoven in den Chefetagen der Wolfsburg und anderen Verstecken. Aber eben... In Erinnerung wird mir immer die Rentnerin bleiben, der die Frau Merkel leider keine andere Antwort hat geben können, als: Es ist schön in Deutschland zu leben. Leben? Hat sie leben oder weben gesagt??? Die Kanzlerin, ach Gott ich weiss, das ist jetzt eine Unterstellung, sie ist ja soweit für ihr eigenes Alter abgesichert und irgendwie fällig für die Rente, und vielleicht und das ist nun "Deutschland ein Wintermärchen", holt sie sich die arme Reinemachfrau als persönlichen Staubsauger ins traute Heim. Kost und Logis gratis plus Taschengeld.